Retarpen

Pulver zur Herstellung einer Suspension zur parenteralen Anwendung pro Langzeitwirkung Retarpen Retarpen – ein Antibiotikum aus der Gruppe der Penicilline mit verlängerter Wirkdauer.

Packungsform und Inhalt

Arzneiform: Pulver zur Herstellung einer Suspension zur intramuskulären Verabreichung bei verlängerter Wirkung. Packungen à 1,2 Mio. IE (entsprechend ca. 1,14 g) in farblosen Glasampullen à 5 ml; 1 Ampulle pro Pappkarton, 100 Ampullen pro Pappschachtel (für Krankenhäuser). Packungen à 2,4 Mio. IE (entsprechend ca. 2,27 g) in farblosen Glasampullen à 15 ml; 1 Ampulle pro Pappkarton, 50 Ampullen pro Pappschachtel (für Krankenhäuser).

Wirkstoff: Benzathin-Benzylpenicillin; pro Ampulle 1,2 Millionen internationale Einheiten (IE) bzw. 2,4 Millionen IE.

Hilfsstoffe: Sorbitol, Simethicon sowie Natriumcitrat als Puffer und Polyvidon.

Indikationen

Therapie von Infektionen, die durch Mikroorganismen verursacht werden und eine anhaltende Wirkung benötigen.

  • Scharlach
  • Akute Mandelentzündung
  • Condylomata acuminata
  • Frambose
  • Syphilis

Prophylaxe der durch sensorische Mikroorganismen verursachten Infektionen

  • Rezidiv des Condyloma acuminatum
  • Rezidive nach akutem rheumatischem Fieber

Kontraindikationen

  • Stillzeitintervalle
  • Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe des Präparats oder andere Beta-Lactam-Antibiotika (Cephalosporine oder Penicilline)

Vorsicht:

  • Nieren- und/oder Leberinsuffizienz
  • Diabetes mellitus
  • Dermatomykosen
  • Pseudomembranöse Kolitis
  • Neigung zu allergischen Reaktionen (z. B. allergische Effloreszenzen, Bronchialasthma)
  • Schwangerschaft

Anwendungsart und Dosierung

Retarpen ist zur intramuskulären Anwendung bestimmt. Das Pulver wird durch Zugabe von Injektionswasser zum Suspensionszustand gebracht: für die Dosis 1,2 Mio. ME werden 3 ml, für die Dosis 2,4 Mio. ME werden 5 ml verwendet; danach sorgfältig schütteln, wobei das Flakon zwischen den Handflächen gerollt wird, um die Bildung von reichlich Schaum zu vermeiden.

Die Lösung wird tief intramuskulär in den oberen äußeren Quadranten des großen Gesäßmuskels injiziert. Um das Treffen der Nadel sowie das Zurücklassen des Präparats im Behälter auszuschließen, ist unmittelbar vor der Injektion eine Aspiration erforderlich. Im Falle einer Blutaspiration oder des Auftretens von Schmerzen muss die Gabe von Retarpen unterbrochen werden.

Empfohlene Dosierungen bei akuter Tonsillitis, Scharlach, Frambösie und Syphilis:

  • Erwachsene und Jugendliche: 1,2 Millionen Einheiten (ME) als Einzeldosis
  • Kinder mit einem Körpergewicht von 30 kg: 1,2 Millionen Einheiten (ME) als Einzeldosis
  • Kinder mit einem Körpergewicht von weniger als 30 kg: 600.000 Einheiten (ME) als Einzeldosis

Empfohlene Dosierungen bei primärer und sekundärer Syphilis:

  • Erwachsene und Jugendliche: 2,4 Millionen Einheiten (ME)
  • Kinder mit einem Körpergewicht von mindestens 30 kg: 600.000 bis 2,4 Millionen Einheiten (ME)

In der Regel erfolgt eine ausreichende Einzeldosis des Präparats. Bei erneuten klinischen und/oder laborchemischen Krankheitszeichen wird ein weiterer Behandlungszyklus durchgeführt.

Bei Spätstadien der Syphilis, einschließlich latenter Seropositivität, erhalten Erwachsene und Jugendliche nach einer Injektion von 2,4 Millionen Einheiten (ME) wöchentlich eine Dosis über einen Zeitraum von drei Wochen.

Bei Herpes-Syphilis ohne Zeichen einer Beteiligung des Zentralnervensystems wird Retarpen mit einer Dosis von 50.000 Einheiten (ME) pro Kilogramm Körpergewicht einmal wöchentlich über einen Zeitraum von drei Wochen verabreicht.

Zur Prophylaxe des akuten rheumatischen Fiebers, der Impetigo und der poststreptokokkalen Glomerulonephritis wird Retarpen in folgenden Dosierungen appliziert:

  • Erwachsene und Jugendliche: 1,2 Millionen Internationale Einheiten (IE) einmal alle 3 bis 4 Wochen.
  • Kinder mit einem Körpergewicht von 30 kg: 1,2 Millionen Internationale Einheiten (IE) einmal alle 3 bis 4 Wochen.
  • Kinder mit einem Körpergewicht von weniger als 30 kg: 600.000 Internationale Einheiten (IE) einmal alle 3 bis 4 Wochen.

Empfohlene Therapiedauer:

  • Bei fehlender Herzinsuffizienz: mindestens über einen Zeitraum von 5 Jahren oder bis zum Erreichen des 21. Lebensjahrs;
  • Bei vorübergehender Herzinsuffizienz: mindestens über einen Zeitraum von 10 Jahren oder bis zum Erreichen des 21. Lebensjahres.
  • Bei persistierender Herzinsuffizienz: mindestens über einen Zeitraum von 10 Jahren oder bis zum Erreichen des 40. Lebensjahres. In einigen Fällen ist eine lebenslange prophylaktische Therapie erforderlich.

Die Dauer der Prophylaxe wird individuell festgelegt.

Besondere Hinweise:

  • Bei Patienten mit Niereninsuffizienz wird die Retarpen-Dosis unter Berücksichtigung der Nierenfunktion angepasst: Bei einer Kreatinin-Klärfunktion (KK) > 10 ml/Minute beträgt die Dosis 75 % des üblichen Wertes; bei KK < 10 ml/Minute liegt sie zwischen 20 und 50 %. In Einzelfällen kann eine Aufteilung der Einzeldosis in mehrere Gaben erforderlich sein.
  • Vor der Verabreichung des Präparats an ältere Patienten ist eine Bewertung der Nierenfunktion erforderlich; gegebenenfalls muss die Dosis angepasst werden.
  • Bei vorliegender eingeschränkter Funktion können sich der Metabolismus und die Ausscheidung von Penicillinen verändern, was bei der Dosierung zu berücksichtigen ist.

Nebenwirkungen

  • Veränderungen in den Laborparametern: häufig (> 1/100, < 1/10) – positive direkte Reaktion nach Kummel, Störung der Ergebnisse der Elektrophorese der Plasmaproteine, Erhöhung des Gehalts an 17-Ketosteroiden im Urin (unter Anwendung der Zimmermann-Reaktion), schwachpositive Reaktionen bei der Bestimmung von Aminosäuren im Urin (bei Nutzung der Ninhydrin-Methode), schwachpositive Reaktionen auf Urobilinogen, schwachpositive Reaktionen bei der Bestimmung des Proteins im Urin unter Anwendung der Biuret-, Folin-Chow- oder Präzipitationsmethode (unter Verwendung von Trichlorsäure, Schwefelsalicylsäure).
  • Zusätzliche immunallergische Nebenwirkungen: akute interstitielle Nephritis sowie eine moderate Erhöhung der Serumtransaminasenaktivität;
  • Verdauungsstörungen: häufig – Übelkeit, Durchfall und Erbrechen; selten (> 1/1000 bis < 1/100) – Glossitis und Mundentzündung; die Häufigkeit bei Pseudomembranöser Kolitis ist unbekannt.
  • Infektionen und parasitäre Invasionen: häufig – Candidose;
  • Nervensystemstörungen: selten (> 1/10.000 bis < 1/1000) – Neuropathie.
  • Immunsystemstörungen: selten – allergische Reaktionen (Fieber, Nesselsucht, Gelenkschmerzen, angioneurotisches Ödem, exfoliative Dermatitis, anaphylaktischer Schock mit Kollapsentwicklung, polymorphes Erythem, anaphylaktoidische Reaktionen [Purpura, asthmatische Attacken, gastrointestinale Symptome]); sehr selten – toxische epidermale Nekrolyse, malignes exsudatives Erythema; die Häufigkeit ist bei der Serumkrankheit und der Jarisch-Herxheimer-Reaktion unbekannt; im Falle begleitender Dermatomykosen treten paraallergische Reaktionen auf;
  • Blut- und Lymphsystemstörungen: sehr selten (< 1/10.000) – hämolytische Anämie, Thrombozytopenie, Felty-Syndrom, Agranulozytose.
  • Nieren- und Harnwegsnebenwirkungen sind selten: interstitielle Nephritis, Nephropathie;
  • Leber- und Gallenwegnebenwirkungen: Cholestase, Hepatitis (Frequenz unbekannt).
  • Haut- und subkutane Gewebebezogene Nebenwirkungen: Pemphigoid (Frequenz unbekannt);
  • Allgemeine Reaktionen an der Injektionsstelle: lokale Reaktionen (Schmerz, Infiltrate), Niklaus-Syndrom (akute medikamentöse Gefäßembolie der Haut), Chojna-Syndrom (akutes penicillinbedingtes psychotisches Syndrom) – Frequenz unbekannt; bei Langzeittherapie Superinfektion.

Besondere Hinweise

Vor der Gabe von Retarpen ist eine sorgfältige Anamnese des Patienten hinsichtlich einer möglichen Penicillin- und/oder anderen Beta-lactam-Antibiotika-Sensibilisierung erforderlich.

Besondere Hinweise: Aufgrund des Risikos schwerer allergischer, teilweise lebensbedrohlicher Reaktionen müssen Patienten über die Notwendigkeit der sofortigen Absetzung des Präparats und der unverzüglichen ärztlichen Konsultation bei Auftreten von Allergiesymptomen aufgeklärt werden.

In 5–10 % der Fälle können Kreuzreaktionen zwischen Penicillinen und Cephalosporinen auftreten; daher sind Penicilline für Patienten mit einer in der Anamnese dokumentierten Cephalosporin-Allergie kontraindiziert.

Patienten mit allergischen Hautausschlägen oder Bronchialasthma haben ein erhöhtes Risiko für hypersensible Reaktionen. Sie sollten mindestens 30 Minuten nach der Injektion unter ärztlicher Beobachtung bleiben. Bei Auftreten einer allergischen Reaktion ist das Präparat sofort abzusetzen; es sind symptomatische Maßnahmen und gegebenenfalls eine Schocktherapie durchzuführen.

Bei der Behandlung von Syphilis kann die Jarisch-Herxheimer-Reaktion (Symptome wie Schüttelfrost, Fieber sowie weitere lokale und allgemeine Beschwerden) auftreten. Patienten sollten über dieses Risiko aufgeklärt werden.

Bei Patientinnen mit Diabetes mellitus ist eine verzögerte Resorption des Präparates in den Kreislauf möglich.

Retarpen darf nicht intravenös oder subkutan, sondern ausschließlich endoluminal (in der Körperhöhle) sowie bei Gewebeprofusion verabreicht werden.

Fällt das Präparat zufällig unter die Haut, kann es zu krankhaften Indurationen kommen; das Auflegen von Eis an die Einstichstelle verringert diese Schädigung.

Bei einer versehentlichen intravaskulären Gabe können vorübergehende Symptome wie Unruhe und Sehstörungen auftreten, die gewöhnlich innerhalb einer Stunde abklingen. Bei starker Symptomatik kann eine Gabe von Beruhigungsmitteln erforderlich sein.

Bei versehentlich intraarterieller Verabreichung von Retarpen können insbesondere bei Kindern schwerwiegende Komplikationen wie Gewebenekrosen (Gangrän) und Gefäßthrombosen auftreten; die ersten Symptome stellen sich durch blasse Hautflecken an der Injektionsstelle dar. Ein hoher Blutdruck am Einstichort kann eine retrograde Absorption des Präparats in periphere, spinale oder die Aorta begünstigen.

Während der Behandlung ist eine regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion sowie des peripheren Blutbildes erforderlich.

Um eine Schädigung des ischiadischen Nervs zu vermeiden, sollte bei Kindern und Jugendlichen die Verabreichung im äußeren Quadranten des Gesäßes erfolgen; das periphere Injektionsgebiet ist nur in Ausnahmefällen (z. B. bei ausgedehnten Verbrennungen) zulässig.

Eine Reibung der Gesäßbacke nach der Injektion wird nicht empfohlen.

Bei Verdacht auf Syphilis vor der Retarpen-Gabe sind eine dunkelfeldmikroskopische Untersuchung sowie serologische Tests über vier Monate durchzuführen; bei Verdacht auf Neurosyphilis ist zusätzlich die Liquoruntersuchung (LCP) erforderlich. Ist das Ausschlusskriterium für eine Beteiligung des Zentralnervensystems nicht erfüllt, müssen andere Penicillin-Präparate verwendet werden, die die Blut-Hirn-Schranke besser überwinden.

Tritt während der Behandlung eine anhaltende schwere Diarrhöe auf, ist ein Verdacht auf Pseudomembranöse Kolitis geboten (gekennzeichnet durch wässrigen Stuhl mit Schleim- und Blutbeimischungen, Tenesmen, diffusen spastischen Bauchschmerzen sowie Fieber); dieser Zustand kann lebensbedrohlich sein, sodass Retarpen sofort abgesetzt und eine gezielte Therapie unter Berücksichtigung der Erregersensibilität eingeleitet werden muss; Präparate, die die Darmperistaltik hemmen, dürfen nicht eingesetzt werden.

Patienten, die eine Hyposalz-Diät einhalten, sollten den Natriumgehalt des Präparats berücksichtigen: Bei der Dosis von 1,2 Mio. ME beträgt dies 11 Milligramm (0,48 mmol), bei der Dosis von 2,4 Mio. ME 22 Milligramme (0,96 mmol).

Im Hinblick auf das Risiko einer Pilzinfektion während der Behandlung ist die gleichzeitige Gabe von Vitaminen der Gruppe B und Ascorbinsäure angezeigt. Bei Verdacht auf eine Hefepilz-Infektion wird die Anwendung eines Antimykotikums (zum Beispiel Levorin oder Nystatin) empfohlen.

Bei unzureichender Dosierung, vorzeitiger Absetzung der Therapie sowie bei Langzeittherapie können resistente Erregerstämme entstehen.

In seltenen Fällen kann es zu einer Anreicherung von Hilfsstoffen aus Retarpen im retikuloendothelialen System kommen, was die Bildung von Granulomen ermöglicht; diese können sich später in Tumore umwandeln.

Während der Therapie ist Vorsicht beim Führen von Kraftfahrzeugen sowie bei der Ausübung potenziell gefährlicher Arbeiten geboten.

Hinweis zu Arzneimittelwechselwirkungen.

Retarpen darf nicht gleichzeitig mit mikrobiostatischen Antibiotika (z. B. Chloramphenicol, Makroliden, Tetracyclinen oder Linkosamiden) angewendet werden. Eine Kombination mit anderen Antibiotika ist nur in Ausnahmefällen zulässig, wenn ein synergistischer oder zumindest additiver Effekt erwartet wird.

Bensatin-Benzylpenicillin darf nicht gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln in einer Spritze verabreicht werden.

Retarpen sollte mit Vorsicht zusammen mit nichtsteroidalen entzündungshemmenden Arzneimitteln (z. B. Salicylate, Phenylbutazon, Indometacin), Probenezid und Allopurinol angewendet werden, da eine konkurrierende Hemmung der Ausscheidung der Wirkstoffe aus dem Organismus möglich ist.

Retarpen kann die Wirksamkeit indirekter Antikoagulanzien erhöhen; daher ist bei Anwendung dieser Kombination eine sorgfältige Kontrolle des INR-Werts (internationale normalisierte Relation) erforderlich.

Digoxin erhöht das Risiko einer Bradykardie.

Bensatin-benzylpenicillin hemmt die Metabolisierung von Methotrexat, was eine Erhöhung seiner Toxizität zur Folge haben kann.

Lagerungsdauer und Lagerungsbedingungen.

An einem vor Licht geschützten Ort bei einer Temperatur von bis zu 25 °C lagern.

Haltbarkeit: 4 Jahre.

Die aus dem Pulver hergestellte Lösung ist maximal 24 Stunden haltbar.

Ob Bitte beachten Sie Folgendes:

Das menschliche Blut wird unter hohem Druck durch die Gefäße gepumpt; bei einer Gefäßruptur kann es bis zu 10 Meter weit spritzen.


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