Die Nierensteinkrankheit ist eine Stoffwechselstörung, bei der sich im Urin unlösliche Ablagerungen in Form von Sand (bis zu 1 mm Durchmesser) oder Konkrementen (von 1 mm bis über 25 mm) bilden. Diese Konkreme setzen sich in den ableitenden Harnwegen ab, was den normalen Harnabfluss stört und zur Entstehung der Nierenkolik sowie entzündlicher Prozesse führt.
Nach medizinischen Statistiken belegt die Nierensteinkrankheit unter allen urologischen Erkrankungen den zweiten Platz nach Häufigkeit und den dritten Platz bei Todesursachen. Die Krankheit betrifft Menschen jeden Alters, einschließlich Kinder; die Hauptaltersgruppe liegt zwischen 25 und 45 Jahren. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, doch schwere Krankheitsformen werden bei Frauen öfter diagnostiziert. Zudem bilden sich Konkreme häufiger in der rechten Niere als in der linken; etwa in 20 % der Fälle befallen beide Nieren den pathologischen Prozess.
Beim Entstehen der Nierensteinkrankheit wirken zahlreiche Faktoren mit; bis heute ist der genaue Mechanismus der Konkrementbildung sowie dessen Ursache jedoch nicht vollständig aufgeklärt. Bekannt ist, dass den Besonderheiten des Aufbaus des ableitenden Harnsystems eine führende Rolle zukommt: Die anatomische Struktur der Niere kann zur Entstehung von Stagnationserscheinungen beitragen. Für die Bildung von Konkrementen sind zudem extrinsische Faktoren maßgeblich, insbesondere Ernährungsgewohnheiten sowie das Trinkverhalten. Auch Erkrankungen des ableitenden Harnsystems, endokrine Pathologien (vor allem Schilddrüsenüber- und -unterfunktion, die den Kalziumstoffwechsel direkt beeinflussen) sowie die Langzeitgabe bestimmter Medikamente (Sulfonamide, Tetrazykline, Glukokortikoide, Aspirin u. a.) spielen eine Rolle bei der Entwicklung der Nierensteinkrankheit.
Verschiedene Stoffwechselstörungen führen zur Bildung von Konkrementen, die nach ihrer chemischen Zusammensetzung unterschieden werden. Die Kenntnis der chemischen Zusammensetzung der Konkreme ist entscheidend für die ärztliche Therapiestrategie bei der Behandlung der Nierensteinkrankheit sowie für die Ernährungsanpassung zur Rückfallprophylaxe.
In den ableitenden Harnwegen können verschiedene Konkrementtypen entstehen:
Der Hauptanteil der Kalziumverbindungen entfällt auf diese Gruppe (bei allen zwei Drittel der Konkremen), während die Protein-Konkremente deutlich seltener vorkommen; Urate sind die einzige Gruppe, die zur Auflösung neigt; diese Konkremen treten bei Personen im fortgeschrittenen Alter häufiger auf; Konkremen aus Magnesiumsalzen werden am häufigsten von Entzündungen begleitet.
Konkrementbildungen der Nierensteinerkrankung können sich in jedem Abschnitt des Harntrakts bilden; je nach Lokalisation unterscheidet man folgende Erkrankungsformen:
Die Nierensteinbildung verläuft zunächst symptomfrei. Die ersten Anzeichen zeigen sich entweder zufällig im Rahmen von Untersuchungen oder bei plötzlichem Auftreten einer renalen Kolik. Die renale Kolik – ein heftiger, schmerzhafter Anfall und das Hauptsymptom dieser Erkrankung –, entsteht durch einen Krampf des Harnabflusses oder eine Obstruktion durch ein Konkrement.
Der Anfall beginnt plötzlich mit heftigen Schmerzen; deren Lokalisation hängt von der Lage des Konkrements ab. Der Schmerz kann in die Leiste, den Unterbauch oder die Lende ausstrahlen. Das Wasserlassen wird schmerzhaft und beschleunigt sich; im Urin findet sich Blut (Hämaturie). Es treten Übelkeit und manchmal Erbrechen auf. Der Patient läuft unruhig hin und her, um eine schmerzlindernde Lage zu finden, die jedoch nicht erreicht wird. Die Attacke der renalen Kolik kann durch Entspannung des Schmerzes oder durch das Wachstum des Konkrements sowie durch eine Verschlimmerung enden; sie kann auch in einer sich entwickelnden Komplikation ablaufen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Schwere der Symptome bei Nierensteinen nicht immer mit der Größe der Konkrement korreliert. Manchmal können kleine Steine, die weniger als 2 mm messen, die stärkste Kolik verursachen, während Fälle schwerer Nierenschädigung vorkommen, wenn sich mehrere Konkremeiten zu korallenartigen Gebilden verschmelzen und weder zur Kolik führen noch zufällig oder erst bei Auftreten von Komplikationen entdeckt werden.
Die Diagnose der Nierensteinerkrankung stützt sich auf das charakteristische Krankheitsbild der renalen Kolik sowie die Befunde einer Ultraschalluntersuchung (US). Auch Computertomographie und Magnetresonanzurographie liefern relevante Informationen. Es werden eine erweiterte Harnanalyse sowie Funktionsproben (nach Simenizki, Netschiporenko u.a.) durchgeführt. Eine zwingend bakteriologische Untersuchung des Urins ist erforderlich. Die Röntgenaufnahme hat in der Diagnostik der Nierensteinerkrankung an Bedeutung verloren, wird jedoch weiterhin als zusätzliche Methode eingesetzt.
Der akute Schmerz einer renalen Kolik wird durch spasmolytische und analgetische Medikamente gelindert. Bei der Nierensteinbildung erfolgt die Hauptbehandlung im Intervall zwischen den akuten Symptomen.
Die Nierensteinkrankheit wird als chirurgische Erkrankung betrachtet; jedoch kann sie bei der Bildung von Harnsäuresteinen medikamentös behandelt werden, indem man Präparate einsetzt, die diese Konkrement auflösen. Für andere Arten von Konkrementen ist eine mechanische Entfernung erforderlich.
Die Behandlung der Nierensteinkrankheit erfolgt mittels zweier Hauptmethoden: Lithotripsie und Chirurgie. Die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) ist die ergebnisreiche Methode zur Behandlung der Nierensteinkrankheit, bei der Konkrement in den Harnwegen mit Hilfe von Druckwellen zerkleinert und anschließend über den Urin ausgeschieden werden. Diese Methode hat sich hervorragend bewährt; infolgedessen haben sich die Aussagen zu operativen Interventionen bei der Behandlung der Nierensteinkrankheit deutlich eingeschränkt.
Die Behandlung der Nierensteinkrankheit erfolgt durch Operationen, die sich in offene und endoskopische sowie in organerhaltende und radikale Verfahren unterteilen. Eine radikale Operation bedeutet die Entfernung der Niere, falls diese ihre Funktion verloren hat. Von den chirurgischen Methoden wird die endoskopische Technik bevorzugt, da sie die Steinentfernung ermöglicht, ohne einen Schnitt in der Bauchhöhle zu erzeugen.
Die Prophylaxe der Nierensteinkrankheit ist eine notwendige Voraussetzung für eine vollständige Heilung, da ohne sie Rückfälle unvermeidlich sind. Eine Grundlage dieser Vorbeugemaßnahme ist die Beachtung einer Diät, die den Stoffwechsel und die chemische Zusammensetzung des Urins normalisiert, sowie die Einhaltung eines Trinkplans. Die Ernährungsweise bei Nierensteinen richtet sich je nach Art der Konkrementbildung: Bei Oxalatsteinen werden Milchprodukte und Schokolade vermieden; bei Harnsäuresteinen wird der Fleischkonsum eingeschränkt. Eine äußerst wichtige Bedingung ist die Aufnahme einer ausreichenden Wassermenge – 1,5 bis 2 Liter pro Tag.
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