Sensibilisierung

Sensibilisierung – Erhöhung der Empfindlichkeit der Nervenzentren Die Sensibilisierung ist eine Verstärkung der Sensibilität der nervösen Zentren unter dem Einfluss des Reizfaktors. Die Zunahme der Sensitivität kann im Verlauf der Erwartung eines bedeutsamen Signals, durch den Erwerb von Erfahrung oder infolge von Übungen eintreten. Sie kann auch durch spezifische Anforderungen einer Tätigkeit bedingt sein oder als Folge der Kompensation sensorischer Defekte entstehen. Zum Beispiel kann die Sensibilisierung für den ersten Fall auf die hohe Aufnahmefähigkeit des Auges eines Malers zurückzuführen sein, was ihm ermöglicht, Proportionalität von Formen sowie Übereinstimmung von Farben und Schattierungen zu erkennen. Im zweiten Fall handelt es sich um eine Verschärfung des Gehörs und der Fernwahrnehmung bei Hindernissen bei nicht sehenden Menschen.

Sensibilisierung, Anpassung und Synästhesie stehen in direktem Zusammenhang mit Veränderungen der Empfindlichkeit der Analysatoren und korrelieren mit den qualitativen Merkmalen der Empfindungen.

Empfindungssensibilisierung

Unter Empfindungssensibilisierung versteht man die Zunahme der Empfindlichkeit unter dem Einfluss folgender Reizfaktoren:

  • Systemarbeit der Analysatoren und ihre Wechselwirkungen. Bei niedriger Intensität der Reize einer Modalität steigen die Empfindungen anderer Modalitäten an. Beispielsweise führt eine geringfügige Abkühlung der Haut zu Lichtsensibilisierung.
  • Pharmakologische Einflüsse auf den Organismus. Die Verabreichung verschiedener Substanzen, wie Adrenalin oder Fenamin, bewirkt eine wesentliche Verstärkung der Empfindlichkeit der Rezeptoren.
  • Psychologische Disposition. Die Erwartung eines Ereignisses, insbesondere bedeutsamer Ereignisse, kann zu einer deutlicheren Wahrnehmung von Reizreizen führen. So kann die bevorstehende Zahnarztbesuch die Zahnschmerzen verstärken.
  • Erlernte Erfahrungen. Im Laufe der Ausführung bestimmter Tätigkeiten entwickeln sich spezifische Sensorsysteme schrittweise. Als Beispiel für Sensibilisierung können erfahrene Degustatoren genannt werden, die Sensoranalyse selbst bei kaum wahrnehmbaren Nuancen durchführen, oder Musiker, die im Gehör relative Tondauern unterscheiden.

Eine starke Reizung eines Sinnesorgans kann zu einer Verminderung der Empfindlichkeit führen. So ist die Desensibilisierung beispielsweise bei Arbeitern in lauten Industriebereichen charakteristisch, da hoher Schallpegel das Sehvermögen verschlechtert.

Die kompensatorische Sensibilisierung entsteht durch Unterdrückung oder Abwesenheit bestimmter Sinnesempfindungen; dieser Mangel wird ausgeglichen, indem die Aufnahmefähigkeit anderer Sinnesorgane verstärkt wird. Beispielsweise verbessert sich im Dunkeln das Gehör.

Sensibilisierung und Anpassung.

Unter Sensibilisierung versteht man eine Erhöhung der Empfindlichkeit infolge psychologischer oder physiologischer Faktoren. Die Anpassung ist umweltbedingt und wird durch eine Verstärkung oder Abschwächung von Empfindungen charakterisiert; anpassungsfähige Fähigkeiten zeigen sich beispielsweise beim heftigen Wechsel des Beleuchtungsstandes – es wird eine gewisse Zeit benötigt, damit sich die Augen auf Dunkelheit oder helles Licht einstellen.

Je nach Ausprägungsgrad der Empfindungen unterscheidet man zwei Formen der Anpassung.

  • Anästhesie: Sie entsteht durch den langwierigen Effekt eines Reizregulators und führt zum vollständigen Verschwinden der Empfindungen. Beispielsweise empfinden Menschen im Laufe des Tages Berührungen ihrer Kleidung nicht oder lenken die Aufmerksamkeit vom Trauring ab.
  • Gewöhnung an die Intensität von Empfindungen: Sie manifestiert sich als Reaktion auf starke Reize, wie etwa das allmähliche Gewöhnen an einen scharfen Geruch in medizinischen Einrichtungen oder im Parfümgeschäft.

Die Synthese aus Anpassung und Sensibilisierung zeigt sich bei der Strukturierung ungebundener Elemente: So kann die Malerei zunächst wie chaotische Farbflecke wirken, bis das Bild mit der Zeit sichtbar wird, oder man kann im ständigen Grundtongeräusch allmählich einzelne Klänge unterscheiden. Das bedeutet, dass im Laufe des Gewöhnens an einen intensiven exterozeptiven Reiz die Möglichkeit seiner Analyse entsteht und die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf die abgegrenzten Elemente die Aufnahmefähigkeit für diesen Reiz erhöht.

Sensibilisierung und Synästhesie.

Sensibilisierung und Synästhesie sind eng verbundene Eigenschaften der Empfindungen; bei synästhetischer Rezeption wird ein Reiz eines Sinnesorgans von Empfindungen begleitet, die einem anderen Organ entsprechen. Ein weit verbreitetes Beispiel für Sensibilisierung mit Modalitätswechsel ist das Entstehen eines sauren Geschmacks beim Anblick einer Zitrone; zudem erscheinen Wahrnehmungsbilder während des Hörens von Musik oder Lektüre nicht selten. Aus neurologischer Sicht klärt sich dieses Phänomen dadurch, dass die Anregung nervöser Strukturen aus einer Modalität in andere strahlt, wodurch sich eine Vielzahl synästhetischer Empfindungen bildet – etwa „chromatisches" Gehör, „geschmackliche" Wörter oder „olfaktorische" Farben und weitere Varianten. Synästhesie gilt als Grundlage metaphorischer Einschätzungen und Versetzungen.

Sensibilisierung – Verschärfung der Empfindlichkeit Die Empfindungssensibilisierung lässt sich durch den Vergleich verschiedener Reizreize demonstrieren. So erscheint eine helle Figur auf schwarzem Hintergrund weiß; ein grauer Bereich vor grünem Hintergrund wirkt rötlich, und vor rotem Hintergrund nimmt er eine grüne Schattierung an. Vertikale Linien erscheinen zudem als stärker hervorstechend als horizontale bei gleicher objektiver Länge. Der Kontrast der Empfindungen spielt in der Werbung, der Malerei sowie im Kleidungs- und Innendesign häufig eine Rolle.

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die Sensibilisierung von den folgenden Faktoren abhängt:

  • Das Alter: Die Steigerung der Aufnahmefähigkeit der Rezeptoren dauert bis zum 30. Lebensjahr an und nimmt danach allmählich ab.
  • Der Nerventyp: Menschen mit einem schwachen Nervensystem sind für eine Sensibilisierung prädisponiert, da sie nicht über die nötige Zähigkeit und Resistenz verfügen.
  • Das endokrine Gleichgewicht des Organismus: Während der Schwangerschaft wird eine verstärkte Sensibilisierung der Geruchsempfindungen beobachtet.

Die vorübergehende Sensibilisierung ist vom Erregungszustand der Großhirnrinde bedingt, der bei Übermüdung entsteht.

Die Rezeption beteiligt sich an der Verhaltensbildung: Die Veränderung der Empfindlichkeit der Sinnesorgane sowie die Wechselwirkung der Empfindungen ermöglichen das Erfassen und die Verarbeitung von Informationen über die Umwelt.

Ob Sie sollten wissen:

Es gibt sehr ausgeprägte medizinische Syndrome, beispielsweise eine obsessive Beschäftigung mit Gegenständen. Im Magen einer Patientin, die an dieser Zwangsstörung leidet, wurden 2500 fremde Gegenstände gefunden.


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