Unter Peritonitis versteht man einen Zustand, der für den Organismus extrem gefährlich ist, da das Funktionieren aller lebenswichtigen Organe beeinträchtigt wird. Eine akute Bauchfellentzündung erfordert unverzügliche ärztliche Hilfe; andernfalls kann es innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen.
Die Peritonitis entsteht durch Infektionen oder Fremdstoffe (z. B. Pankreasenzyme, Galle), die in die Bauchhöhle eindringen. Der Hauptgrund für das Eindringen von Infektionen in die Bauchhöhle sind eine eitrige Organnekrose, ein Trauma der Hohlorgane sowie operative Eingriffe im Bereich dieser Organe.
Zu den häufigsten infektiösen Erregern gehören Streptokokken, Staphylokokken, Pyozyanobakterien, Kolibakterien, Neisser-Diplokokken, Pneumokokken, Mykobakterien der Tuberkulose sowie anaerobe Mikroorganismen.
Zu den Hauptursachen einer infektiösen Bauchfellentzündung zählen eine akute Blinddarmentzündung, die Perforation von Magengeschwüren und des Zwölffingerdarms, eine akute Gallenblaseneiterung, eine akute Pankreatitis sowie eitrige Entzündungen der Organe des kleinen Beckens. Hernien des Magens oder des Darmtrakts sowie Verletzungen der Harnblase sind seltenere Ursachen.
Die Peritonitis kann primär oder sekundär auftreten.
Primär entsteht eine essentielle oder virale Bauchfellentzündung, eine äußerst seltene Form der primären infektiösen Entzündung der Organe der Bauchhöhle und des Bauchfells. Bei einer Virusbauchfellentzündung dringt die Infektion ins Bauchfell über den Blutweg oder durch die Lymphbahnen vor; selten erfolgt dies auch über die Eileiter. Auf die Fälle von Virusbauchfellentzündung entfallen nicht mehr als 1 % aller Peritonitis-Fälle.
Je nach Ätiologie werden verschiedene Formen der Peritonitis unterschieden.
Je nach Charakter des entzündlichen Exsudats werden folgende Formen unterschieden:
In Abhängigkeit vom Verlauf:
Je nach Lokalisation:
Je nach Verletzungsmechanismus:
Der Verlauf einer akuten Bauchfellentzündung durchläuft mehrere Entwicklungsphasen:
Eine akute Peritonitis kann innerhalb von 24 Stunden zum Tod führen.
In der Anfangs- bzw. Reaktionsphase ähneln die Symptome denen der Grunderkrankung, werden jedoch schärfer und ausgeprägter; typisch ist ein zunehmender Schmerz, der sich auf den gesamten Bauch ausbreitet, sowie eine lokale Schwäche in der Zone des primären Herdes. Der Bauch wird angespannt und bretthart; die Reizerscheinungen am Bauchfell sind deutlich positiv, wobei das klassische Schtschetkin-Blumberg-Symptom (heftige Schmerzempfindung bei schnellem Abklopfen) auftritt. Der Patient versucht, sich mit angewinkelten Beinen zur Seite zu legen („Fötalstellung“); jede Bewegung verstärkt den Schmerz. Die Sprache ist leise, das Stöhnen schwach; die Körpertemperatur ist erhöht.
Die Symptome der Bauchfellentzündung im toxischen Stadium können täuschen, als würde eine scheinbare Verbesserung eintreten: Der Schmerz lässt nach, die Bauchmuskulatur entspannt sich und der Patient gerät in einen Zustand der Hemmung oder Euphorie. Das Aussehen verschlechtert sich durch Blässe; Übelkeit und Erbrechen sind möglich, wobei das Erbrechen manchmal qualvoll wird. Der Harnabfluss und die Darmperistaltik nehmen ab, bis hin zum vollständigen Verschwinden der Darmgeräusche (das Symptom der „Totenstille"). Die Schleimhäute im Mund trocknen aus; eine Flüssigkeitsaufnahme ist jedoch durch Hemmung oder Erbrechen erschwert. In diesem Stadium sterben etwa 20 % der Patienten.
Die Symptome der Peritonitis im terminalen Stadium deuten auf eine tiefgreifende Funktionsstörung aller Körpersysteme und den Eintritt in die Dekompensationsphase hin, bei der die Abwehrkräfte des Organismus erschöpft sind. Der Patient befindet sich in Prostration, ist gleichgültig; manchmal tritt eine psychische Verwirrung ein. Das Gesicht verblasst (sogenannte „Hippokratische Maske"), Augen und Wangen sinken ein, kalter Schweiß tritt auf. Ein reichliches Erbrechen von fauligem Inhalt des Dünndarms ist möglich. Es entwickeln sich Atemnot und Tachykardie; die zuvor erhöhte Körpertemperatur fällt. Der Bauch ist aufgebläht, jedoch fehlt die Abwehrspannung. Das Symptom der Schtschetkina-Blumberg-Zeichen wird schwach ausgeprägt. In diesem Stadium sterben etwa 90 % der Patienten.
Die Diagnose wird auf Basis charakteristischer Symptome und Laborbefunde gestellt. Im Blutbild zeigt sich eine eiterige Leukozytose. Zur Abklärung werden Röntgenaufnahmen, Ultraschalluntersuchungen sowie bei unklaren Fällen eine Laparoskopie eingesetzt.
Besonders kritisch ist die Diagnostik der Peritonitis, da dieser Zustand eine sofortige Behandlung erfordert.
Das initiale Management erfolgt in der Intensivstation. Bei Verdacht auf akute Peritonitis sind Nahrungsmittel, Flüssigkeit und Schmerzmittel kontraindiziert; das Auflegen von Wärmflaschen sowie die Gabe von Einläufen ist ebenfalls zu vermeiden. Der Patient sollte in einer Schonhaltung liegen. Die chirurgische Operation stellt die Standardtherapie dar, mit Ausnahme seltener Fälle wie einer abgegrenzten Peritonitis oder eines Agoniezustands.
Vor der Operation erfolgt die Vorbereitung zur Stabilisierung des Patientenstatus: Ausgleich von Flüssigkeitsdefiziten, Linderung des Schocks und Normalisierung des arteriellen Blutdrucks.
Der chirurgische Eingriff wird unter Allgemeinanästhesie durchgeführt. Während der Operation wird der primäre Infektionsherd entfernt, die Entzündungsflüssigkeit aspiriert, die Bauchhöhle gewaschen und Drainagen platziert. Anschließend wird ein sekundär entstandener Ileus behandelt, indem Darmabschnitte freigelegt werden. Postoperativ erfolgt eine intensive Pharmakotherapie mit breitspektraler Antibiotikagabe sowie supportive Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der vitalen Funktionen des Organismus.
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