Neurom (oder handelt es sich um ein Schwannom?) ist eine gutartige Geschwulst, die sich in den Schwellzellen von Schädel- und peripherischen Nerven bildet. Es handelt sich dabei um eine Neubildung in den Hüllen, welche die Nerven überziehen. Sie erscheinen als rundliche, manchmal knotige Bildungen in Form einer Kapsel. Neurome treten am häufigsten im Bereich des Hörnervs (der Vestibularportion) auf, breiten sich im Meckelschen Winkel (den Gesichts- und Hörnerven) fort und sind – im Bereich der V. Hirnnerven (oberer und unterer Kiefer-, sowie Lungennerve?) seltener. Neurome entstehen äußerst selten in den Bereichen des Schluck- und wandernden Nerven.
Das Auftreten von Neuromen ist im Vergleich zu anderen intrakraniellen Tumoren verhältnismäßig selten (ca. 8 %) und macht etwa 20 % aller primär spinalen Neubildungen aus. Diese Erkrankungen betreffen vorwiegend Menschen mittleren bis älteren Alters; bei Frauen treten sie häufiger auf. Da Neurome gutartige Geschwülste mit langsamer Entwicklung sind, übergehen sie sehr selten in maligne Formen.
Am weitesten verbreitet sind folgende Arten von Neuromen:
1. Morton-Neurom: Diese gutartige Geschwulst bildet sich im Bereich des Fußnervs (Plantarnerve). Meistens entsteht sie an der Stelle, wo die Nerven der dritten und vierten Zehe durchtreten; manchmal auch zwischen den zweiten und dritten Zehen. Hauptsächlich ist ein Fuß betroffen; eine Befalligung beider Füße ist sehr selten.
2. Neurom des Gehörnervs (auch Vestibularschwannom genannt): Meistens entsteht diese Geschwulst im Vestibularzweig des Gehörnervs, und ihre Größe nimmt im Bereich des knöchernen Bogengangs zu. Das Wachstum des Neuroms führt zu einer Kompression des Kleinhirns und des Hirnstamms. Der unmittelbare Kontakt der Neubildung mit den Gesichtsnerven kann manchmal auch die Trigeminusnerven betreffen.
Man unterscheidet einseitige Neurome des Gehörnervs (daneben 95 %) und zweiseitige (5 %). Letztere werden gewöhnlich durch Neurofibromatose herbeigeführt; ihre ersten Erscheinungsformen treten dabei bereits im zweiten Lebensjahrzehnt auf. Im Gegensatz dazu sind die einseitigen Neurome meist erst bei Menschen im Alter von 40 bis 50 Jahren betroffen.
3. Neurom der Wirbelsäule: Es handelt sich um eine Geschwulst, die durch die Wurzeln des Rückenmarksnervs bedingt ist und meistens in Brust- sowie Halswirbelbereich entsteht; im Lendenbereich ist sie seltener. Sie gilt als die am weitesten verbreitete Erkrankung unter den primären Neubildungen des Rückenmarks. Entwickelt sich diese Geschwulst extramedullär-intradural in Schwann-Zellen.
Neurome des Rückenmarks können sich durch das extradurale Loch erstrecken; diese Form verhält sich zum Typ "der Sanduhr" und ist für die Halswirbelsäule charakteristisch. Die Folgen der Wirbelsäulen-Neurome sind Knochenveränderungen, die gewöhnlich radiologisch diagnostiziert werden.
Ein Neurom des Trigeminus und anderer Nerven ist eine Geschwulst des Hörnervs; Spezies wie das Neurom des Mittelohrs stellen Unterarten der Wirbelsäulen-Geschwülste dar.
Histologisch sind Neurome auf eine gutartige Vermehrung der Schwann-Zellen zurückzuführen (daher auch die Bezeichnung "Schwannom"); die myelinische Hülle des Nerven wird gebildet, wobei der Einflussfaktor dieses Prozesses bis heute nicht vollständig geklärt ist.
Die ersten deutlichen Symptome eines Neuroms des Gehörnervs sind Tinnitus; ihn beklagen sich etwa 60 % aller Patienten. Zusätzlich kommt es häufig zu einer Hörminderung, die insbesondere bei Telefongesprächen bemerkbar wird. Meist verändert sich die Funktion des Gehörs allmählich, jedoch tritt in 10–20 % der Fälle eine plötzliche Hörstörung auf. Bei Infektionen des Vestibularnervs können bei heftigen Kopfbewegungen Schwindelgefühle oder ein Verlust des Gleichgewichts entstehen. Bei großen Tumormassen kann sich auch eine Hydrozephalus (Liquoransammlung im Gehirn) entwickeln, wobei als begleitendes Merkmal eine kaum bemerkbare Gesichtslähmung auftreten kann.
Das Hauptsymptom eines Wirbelsäulenneuroms ist ein Wurzelreizschmerz, der durch die Entwicklung der Erkrankung in den hinteren sensiblen Wurzeln ausgelöst wird. Wirbelsäulenneurome entwickeln sich langsam; daher wird eine korrekte Diagnose oft erst nach einigen Jahren festgestellt, wenn die Lokalisation im breiten Lendenkreuzbereich bemerkt ist. Ein enges Schienbein ermöglicht es, die Erkrankung in einem frühen Stadium zu erkennen, da Merkmale des Blutdrucks auf das Rückenmark wirken. Bei Vorhandensein einer Geschwulst im lateralen Halsdreieck und in der subklavikulären Zone (wo Tumoren des Schultergeflechts oder der Nervenwurzeln entstehen) kann ein Schmerz in den Hals oder den Schultergürtel auftreten.
Da periphere Neurome langdauernd und asymptomatisch verlaufen, findet sich die Geschwulst als subkutane Raumforderung ohne krankhafte Merkmale vor.
Die Therapie des Neuroms kann je nach Lage der Geschwulst auf verschiedene Weise erfolgen.
Zur konservativen Therapie kommen Präparate wie Mannitol in Kombination mit Glukokortikoiden sowie Maßnahmen zur Kontrolle des Wasser-Elektrolyt-Gleichgewichts zum Einsatz; zusätzlich werden Medikamente verabreicht, die den Hirndurchblutungszustand verbessern.
Die am weitesten verbreitete Methode ist eine chirurgische Entfernung des Neuroms.
Diese Methode besteht in der radikalen Abtragung. Die Behandlung eines Neuroms im frühen Stadium ist mittels mikrochirurgischen Eingriffs möglich. Bei solcher Abtragung des Vestibularis-Neuroms bleibt die Funktion des Gesichtsnervs erhalten, und es ist auch eine Erhaltung des Gehörs möglich. Für solche Fälle wird das translabyrinthäre Vorgehen bei der Behandlung verwendet; die Erhaltung des Gehörs ist jedoch realistisch, wenn die Ausmaße der Geschwulst 2 cm nicht überschreiten.
Die Methode der stereotaktischen Radiochirurgie stellt eine Alternative zur operativen Entfernung des Neuroms dar, da in diesem Fall eine Kontrolle des Tumorwachstums gewährleistet wird; dabei weisen die negativen Ergebnisse geringe Kennzahlen auf.
Die radiochirurgische Behandlung ist für ältere Patienten angezeigt, bei denen somatische Erkrankungen vorliegen, die eine operative Entfernung des Neuroms unmöglich machen, oder im Falle einer Operation ablehnung durch den Patienten. Diese Methode wird angewendet, wenn das Tumorwachstum nicht mehr als 30 mm beträgt.
Ein Neurom ist kein bösartiges Neoplasma; doch kann es bei fehlender rechtzeitiger Berücksichtigung der Symptome für die menschliche Gesundheit sehr gefährlich sein und seine Behandlung zu keinen positiven Ergebnissen führen.
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