Mukopolysaccharidosen stellen eine große Gruppe der erblichen Monogenkrankheiten dar, die infolge eines Defekts entstehen. Der Defekt liegt in einem Lysosom vor und betrifft den mehrstufigen Prozess der Glykosaminoglykan-Hydrolyse.
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Glykosaminoglykane sind komplexe Heterozuckerketten, die aus Resten sulfatierten Hexosamins sowie Glukuronsäure bestehen. Zu den Glykosaminoglykanen zählen Dermatansulfat, Keratansulfat, Heparansulfat, Chondroitin-6-Sulfat sowie Chondroitin-4-Sulfat.
Die Mukopolysaccharidose wurde erstmals 1917 von Gurler beschrieben. Heute sind elf genetische Formen bekannt: fünf entstehen durch Defekte der Sulfatasen, vier durch Defekte der Glycosidasen und ein Typ durch einen Transferasemangel. Bei dieser Erkrankung kommt es zur Ansammlung von Substanzen im Organismus, was beim Menschen zu verschiedenen Symptomen und Pathologien führt.
Die Erkrankung wird autosomal-rezessiv vererbt.
Bei dieser Erkrankung kommt es zu einer Störung des lysosomalen Enzymsystems, das am Abbau von Glykosaminoglykanen beteiligt ist. Das Enzymdefizit führt in Organen und Geweben zur Ansammlung von Glykosaminoglykanen, wodurch die Mukopolysaccharidose als Speicherkrankheit klassifiziert wird.
Die Akkumulation der Glykosaminoglykane beeinträchtigt den funktionellen Zustand verschiedener Systeme und Organe. Da diese Substanzen das Bindegewebe infiltrieren, stellt eine systemische Skelettinfektion sowie eine Hemmung der Körperentwicklung eines der Hauptsymptome dar – insbesondere bei Typ I, IV und VI.
Bei dieser Erkrankung fällt eine Wachstumsverzögerung auf, die gegen Ende des ersten Lebensjahres einsetzt. Zu den groben Merkmalen gehören: große Zunge, hängende Stirnpartie, Zahn- und Ohrenfehlstellungen sowie Hypertelorismus. Der Brustkorb ist deformiert; Kyphose der Wirbelsäule (Lenden- und Brustbereich) ist deutlich ausgeprägt. Charakteristisch sind Hepatosplenomegalie, Inguinal- und Nabelhernien sowie eine Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit.
Bei der radiologischen Untersuchung lassen sich 'fischgrätenartige' Wirbelkörper sowie eine frühzeitige Ossifikation des Okzipito-parietalen Nahtbereichs erkennen. Die Bildung der Ossifikationskerne ist dabei nicht gestört.
Zu den neurologischen Symptomen der Mukopolysaccharidose gehören allgemeine Bewegungsstörungen, die diffuse Muskelhypotonie umfassen können. Für verschiedene Typen der Mukopolysaccharidose sind zudem eine Abschwächung des Gehörs und eine Senkung des Intellekts charakteristisch.
Muskelhypotonie. Für verschiedene Typen mukopolissacharidosa auch ist die Abschwächung des Gehörs und die Senkung des Intellekts charakteristisch.
Nach dem Grad der Ausprägung psychischer Symptome und Knochenveränderungen sowie nach der Geschwindigkeit des Fortschreitens der Austauschstörungen sind sieben Formen dieser Erkrankungen bekannt:
Die Diagnostik erfolgt durch genealogische, klinische und biochemische Untersuchungen.
Die Therapie erfolgt vorwiegend symptomatisch; dem Patienten werden Hormonpräparate (Prednisolon, Thyroxin, ACTH) zur Unterdrückung des Polysaccharidgehalts verabreicht. Bei der Behandlung kommen zudem hohe Dosen von Wachstumshormonen sowie Präparate zur Normalisierung der Herzfunktion zum Einsatz. Falls notwendig, können Zytostatika verordnet werden.
Es gibt keine spezifische Prophylaxe; notwendig ist eine pränatale Diagnostik zur Erkennung des Enzymdefekts mittels Amniozentese.
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