Unter Enzephalopathie versteht man eine pathologische Schädigung des Gehirns infolge des Funktionsverlusts von Nervenzellen, die durch gestörte Blutversorgung und Sauerstoffmangel bedingt ist.
Die Enzephalopathie ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene pathologische Zustände und Erkrankungen. Sie kann sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern beobachtet werden.
Unterscheidung zwischen angeborener und erworbener Enzephalopathie.
Die angeborene Enzephalopathie entsteht durch schädigende Faktoren während der Geburt, genetische Defekte oder Entwicklungsstörungen des Gehirns. Als Ursachen kommen unter anderem Schädeltraumen und Hypoxie in Betracht; dieser Zustand wird auch als perinatale Enzephalopathie bezeichnet.
Wie bereits erwähnt, entwickelt sich die perinatale Enzephalopathie meist infolge pathologischer Zustände während der Schwangerschaft oder Geburt. Zu den perinatalen Enzephalopathien zählen Schädigungen und pathologische Zustände des Gehirns, die im Zeitraum von 28 Wochen Schwangerschaft bis zu sieben Lebenstagen des Kindes entstehen.
Zu den Risikofaktoren für das Auftreten einer perinatalen Enzephalopathie gehören eine Früh- oder Spätgeburt, Mehrlingsschwangerschaften, die Einnahme von Medikamenten durch die Schwangere, Ablösung der Plazenta, Geburtskomplikationen sowie das Alter der Mutter (jüngeres Alter unter 20 Jahren oder höheres Alter ab 40).
Zu den Symptomen einer angeborenen Enzephalopathie gehören unruhiges Verhalten des Neugeborenen, häufiges Weinen, inadäquate Reaktionen auf Licht und Klang, Kopfschütteln sowie häufiges Erbrechen. Die Symptome einer perinatalen Enzephalopathie können bereits im Entbindungsheim festgestellt werden. Beim Kind mit dieser Pathologie werden ein gestörter Herzschlag, schwache oder verzögerte Schreireflexe sowie das Fehlen von Saugreflexen beobachtet.
Wenn die Erscheinungsformen der Hirnschädigung nicht sofort, sondern erst nach einer längeren Zeit auftreten, spricht man von einer residualen Enzephalopathie. Diese Pathologie entwickelt sich einige Zeit nach einer perinatalen Enzephalopathie.
Eine residuale Enzephalopathie ist in vielen Fällen schwierig zu diagnostizieren, da die Symptome der Pathologie während des perinatalen Stadiums nur kurzzeitig auftreten und ein Rückfall erst nach einem längeren Zeitraum manifest werden kann. Ein solcher Rückfall einer residualen Enzephalopathie können infektiöse oder entzündliche Erkrankungen sowie eine Erhöhung des arteriellen Blutdrucks oder ein Schädel-Hirn-Trauma auslösen.
Erworbene Enzephalopathien entwickeln sich in der postnatalen Periode. Es gibt verschiedene Formen erworbener Enzephalopathie.
Eine nachtraumatische Enzephalopathie entsteht infolge eines schweren Schädel-Hirn-Traumas.
Eine toxische Enzephalopathie entsteht infolge der Wirkung neurotropischer Gifte und bakterieller Toxine auf den Organismus.
Eine radiogene Enzephalopathie entsteht infolge der Einwirkung ionisierender Strahlung auf das Gehirn.
Metabolische Enzephalopathien entstehen bei verschiedenen Erkrankungen innerer Organe. Dabei gelangen toxische Substanzen, die sich im Verlauf der Erkrankung bilden, in den allgemeinen Kreislauf und verursachen eine metabolisch bedingte Schädigung des Gehirns.
Eine vaskuläre Enzephalopathie entsteht infolge einer langdauernden Störung der Blutversorgung des Gehirns.
Die zirkulatorische Enzephalopathie entsteht infolge pathologischer Veränderungen der Hirnsubstanz aufgrund von Gefäß-Hirn-Erkrankungen.
Man unterscheidend die arteriosklerotische, hypertensive sowie die gemischte zirkulatorische Enzephalopathie.
Man unterscheidet drei Stadien der zirkulatorischen Enzephalopathie.
Das erste Stadium der Enzephalopathie wird durch Gedächtnisstörungen, Reizbarkeit, Kopfschmerzen und gestörten Schlaf charakterisiert.
Das zweite Stadium der Enzephalopathie wird durch ausgeprägte Symptome gekennzeichnet: anhaltende Kopfschmerzen, Gedächtnisverlust, Schläfrigkeit, Apathie sowie eine Verwirrtheit des Bewusstseins.
Das dritte Stadium der zirkulatorischen Enzephalopathie ist durch schwere Veränderungen der Hirnsubstanz und verstärkte Krankheitssymptome gekennzeichnet; es treten Lähmungen, vaskulärer Parkinsonismus auf, die Sprache ist gestört.
Die Symptome der Enzephalopathie sind vielfältig und hängen von der Form und dem Stadium der Erkrankung ab: Im Anfangsstadium werden Gedächtnis- und Leistungsminderung sowie allgemeine Erschöpfung beobachtet; bei fortgeschrittener Erkrankung zeigen sich Hör- und Sehstörungen, Muskeltonusveränderungen und Koordinationsstörungen.
Schwere Hirninfektionen führen zu starken Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Übelkeit, Verwirrtheit des Bewusstseins sowie Lähmungserscheinungen und verschiedenen psychischen Störungen; im weiteren Verlauf können Entwicklungsverzögerungen und Erziehungsprobleme bei Kindern beobachtet werden.
Bei der Diagnostik der Enzephalopathie spielen die Befunde der Anamnese eine wichtige Rolle.
Zudem werden die Elektroenzephalographie, die Computertomographie sowie die Magnetresonanztomographie eingesetzt.
Die biochemischen Blutanalysen, die Urintests und die Liquorpunktion werden durchgeführt.
Das Behandlungsziel der Enzephalopathie ist die Beseitigung der Symptome sowie die Therapie der zugrundeliegenden Erkrankung, die zu einer Hirninfektion geführt hat.
Bei schwerer akuter Enzephalopathie werden eine Gefäßspülung (Gemoperfusion), Hämodialyse und Lungenventilation angewendet; zudem werden Medikamente zur Senkung des Hirndrucks und zur Unterdrückung von Krampfanfällen sowie zur Verbesserung der zerebralen Durchblutung eingesetzt.
Die Rekonvaleszenz nach Enzephalopathie umfasst Physiotherapie, Reflexotherapie und Atemgymnastik.
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