Nebennieren – die beiden Hormondrüsen, die oberhalb der Nieren liegen.
Die Drüse weist eine äußere kortikale und eine innere medulläre Zone auf. Diese Anteile stammen ursprünglich von verschiedenen Embryonalanlagen, wurden im Laufe der Entwicklung jedoch zu einem einzigen Organ verschmolzen. Die Nebennieren zeigen unterschiedliche Formen: die rechte ist dreieckig, die linke halbmondförmig. Die Drüsen sind außen durch eine Kapsel umhüllt, welche das Wachstum begrenzt.
Der kortikale Anteil bildet den Großteil der Drüse und macht etwa 90 % ihrer Masse aus. Er besteht aus Zonen, die Kortikoide und Sexualhormone produzieren. Diese Zonen sind nach dem Verlauf der Blutkapillaren angeordnet, sodass das Hormon direkt ins Blut abgegeben wird. Der kortikale Anteil gliedert sich in drei Zonen, die sich durch ihre Zellzusammensetzung unterscheiden:
Die Rolle der kortikosteroiden Hormone im Organismus ist schwer einzuschätzen; sie nehmen an Schlüsselprozessen des Stoffwechsels (Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate, Wasser und Salze), der Energiebereitstellung, der Immunabwehr, der Regulation des Gefäßtonus sowie der Anpassung an Stress teil.
Das Nebennierenmark liegt zentral in der Nebenniere und wird von der Rinde abgegrenzt. Es besteht aus chromaffinen Zellen sowie einer Anzahl nervöser Fasern und Zellkörper. Die chromaffinen Zellen synthetisieren Adrenalin, Dopamin und Noradrenalin. Chemisch gehören diese Substanzen zur Gruppe der Katecholamine und entstehen aus der Aminosäure Tyrosin. Der Ausstoß von Katecholaminen ins Blut wird durch verschiedene Reize – Emotionen, Hypoglykämie, Unterkühlung und körperliche Anstrengung – gefördert.
Adrenalin erhöht im Blut den Glukosespiegel durch Glykogenabbau, verstärkt die Lipolyse mit Freisetzung von Energie, steigert den arteriellen Blutdruck, erhöht Frequenz und Kontraktionskraft des Herzens, schwächt die glatten Muskeln in den Bronchialwänden und fördert die Wärmeproduktion im Organismus.
Noradrenalin – als Vorläufer des Adrenalins – weist andere Wirkungen auf: Es verlangsamt die Herzkontraktionen, erweitert die Blutgefäße (was die Herzversorgung mit Blut verbessert) und erhöht den diastolischen Blutdruck.
Eine palpatrische Untersuchung der Nebennieren ist nicht möglich; mittels Ultraschalluntersuchung können sie visualisiert und ihre Dimensionen bestimmt werden.
Zur Erforschung der Funktionen, des Hormonspiegels sowie ihrer Metaboliten im Blut: Zur Bewertung der glukokortikoiden Funktion wird der Spiegel von 11-Desoxikortikosteroid im Blut bestimmt; im Urin wird das freie Kortisol gemessen.
Funktionsproben ermöglichen eine Bewertung der Nebennierenreaktion auf externe Stimulation. Häufig wird die Dexamethason-Probe verwendet, um Tumore der Nebenniere von einer Hyperplasie zu unterscheiden, die mit einer exzessiven ACTH-Synthese in der Hypophyse verbunden ist. Die ACTH-Stimulationsprobe macht eine funktionelle Insuffizienz der Nebennieren sichtbar; aufgrund potenzieller Gesundheitsrisiken sollten solche Proben jedoch im Krankenhaus durchgeführt werden.
Die mineralokortikoide Funktion und die Aldosteronbildung können anhand des Kalium- und Natriumgehalts im Blutserum bewertet werden: Bei einer Nebenniereninsuffizienz ist der Natriumspiegel deutlich erniedrigt, während der Kaliumspiegel erhöht ist; bei einem exzessiven Aldosteronanstieg sinkt das Kalium hingegen, während das Natrium steigt.
Radiologische Untersuchungsmethoden der Nebenniere – Computertomographie, Magnetresonanztomographie sowie Angiographie. Diese Verfahren ermöglichen die Darstellung von Nebennierentumoren sowie die Beurteilung ihrer Dimensionen und Struktur.
Alle Erkrankungen der Nebennieren lassen sich in zwei Hauptgruppen einteilen: eine Gruppe mit exzessiver Funktion und eine andere mit verminderter Funktion.
Eine Verminderung der Drüsenfunktion tritt auf durch die Entfernung der Nebennieren, Infektionen (wie Tuberkulose), Amyloidose, Sarkoidose, Blutergüsse in die Nebennieren oder durch einen Rückgang der ACTH-Bildung in der Hypophyse. Die Behandlung erfordert hier eine Substitutionstherapie der fehlenden Hormone sowie die Beseitigung der Ursache der Hypofunktion.
Eine exzessive Hormonbildung tritt bei einer Hyperplasie durch übermäßige ACTH-Stimulation (beispielsweise bei einem Hypophysentumor) oder bei einem Nebennierentumor auf. Tumore aus dem Rindengewebe, die Kortikosteroide bilden, werden als kortiko-stromale Tumoren bezeichnet; sie führen zu einer exzessiven Bildung aller Hormone der Nebennierenrinde. Tumore aus den Zellen, die Androgene bilden, werden als andro-stromale Tumoren bezeichnet und manifestieren sich in virilisierenden Syndromen. Wenn sich bei einem Tumor die Zellen umgewandelt haben, die Aldosteron bilden, spricht man von einem Aldosterom; dies führt zu ausgeprägten Störungen des Wasser- und Salzhaushalts.
Beim Cushing-Syndrom ist die hemmende Wirkung des Hypothalamus auf das Kortisol gestört, woraufhin die Nebennieren vermehrt Kortisol produzieren und hypertrophieren. Bei diesen Patientinnen sind der Kohlenhydratstoffwechsel gestört und die sexuelle Funktion vermindert. Typisch für das Erscheinungsbild sind Fetteinlagerungen im Bauch-, Brust- und Halsbereich sowie rot-violette Hautdehnungsstreifen (Striae) und ein rundes Gesicht („Mondgesicht"). Die Behandlung des Cushing-Syndroms erfolgt durch die Entfernung der Nebennieren und eine lebenslange substitutive Hormontherapie.
Bei gutartigen Tumoren des Rindengewebes der Nebenniere verläuft das Tumorwachstum oft asymptomatisch und wird häufig zufällig bei Untersuchungen entdeckt. Bösartige hormonaktive Tumore zeigen Symptome einer Überproduktion von Hormonen, während hormoninaktive Tumore meist durch eine allgemeine Intoxikation und eine Vergrößerung des Bauchraums gekennzeichnet sind.
Die Behandlung von Nebennierentumoren erfolgt chirurgisch; bei malignen Tumoren wird dies durch Chemotherapie ergänzt. Nach der Entfernung der Nebennieren ist eine lebenslange substitutive Hormontherapie erforderlich.
Bei Kindern können angeborene Fehlbildungen des Rindengewebes sowie das Cushing-Syndrom, Hypoaldosteronismus, Phäochromozytom und die Bronzekrankheit auftreten. Häufig sind zudem Blutergüsse in den Nebennieren zu beobachten, beispielsweise nach schweren Stammtraumen oder ernsthaften Infektionen wie der Meningokokken-Meningitis.
Patientinnen und Patienten unter Antidepressiva-Therapie leiden häufig an Rezidiven. Personen, die depressive Verstimmungen eigenständig überwinden, haben gute Chancen auf eine dauerhafte Remission.
Das endokrine System erfüllt im menschlichen Organismus eine außerordentlich wichtige Rolle und reguliert praktisch alle Lebensprozesse.
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