Noradrenalin

Noradrenalin ist ein Wirkstoff, der zur schnellen Wiederherstellung des arteriellen Blutdrucks eingesetzt wird.

Darreichungsform und Inhalt

Noradrenalin wird als Konzentrat zur Herstellung einer Lösung für die intravenöse Anwendung abgegeben: farblos bis bräunlich-gelb (in durchsichtigen Glasampullen zu 2, 4 oder 8 ml; in Umreifverpackungen je 5 Ampullen; in Pappekartons je 1 oder 2 Packungen).

Inhalt von 1 ml Konzentrat:

  • Wirksame Substanz: Norepinephringlutarat (als Monohydrat) – 2 mg (entspricht 1 mg freiem Norepinephrin);
  • Hilfsstoffe: Salzsäure oder Natriumhydroxid zur Einstellung des pH-Werts auf maximal 3,0–4,5; Natriumchlorid – 8,4 mg; Wasser für Injektionszwecke – bis zu 1 ml.

Anwendungsangaben

Noradrenalin dient der schnellen Wiederherstellung des arteriellen Blutdrucks bei akutem Druckabfall.

Kontraindikationen

Absolute Kontraindikationen:

  • arterielle Hypotension, die mit Hypovolämie einhergeht (mit Ausnahme der Anwendung des Präparats zur Aufrechterhaltung der Koronar- und Hirndurchblutung bis zum Abschluss der Volumenauffüllung);
  • ausgeprägte Hyperkapnie und Hypoxie
  • Durchführung einer Cyclopropan- oder Halothan-Narkose (aufgrund des Risikos für Herzrhythmusstörungen)
  • Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffkomponenten

Relative Kontraindikationen (Noradrenalin sollte bei vorliegendem Vorhandensein der folgenden Erkrankungen oder Zustände mit Vorsicht angewendet werden)

  • akutes Linksherzversagen
  • Prinzmetal-Angina
  • kürzlich aufgetretenes Myokardinfarkt
  • Thrombose der Koronar-, peripheren oder mesenterialen Gefäße (aufgrund des Risikos einer Vergrößerung des Infarktgebiets und Verschlimmerung der Ischämien)
  • Unzureichende Blutversorgung

Stillende und schwangere Frauen dürfen Noradrenalin nur in Fällen anwenden, bei denen der Nutzen für die Gesundheit der Mutter den potenziellen Schaden für das Kind überwiegt.

Art der Anwendung und Dosierung

Noradrenalin darf ausschließlich intravenös über einen zentralen Venenkatheter appliziert werden, um das Risiko extravasaler Nekrosen zu minimieren.

Die Dosierung wird vom Arzt individuell an den klinischen Zustand des Patienten angepasst.

Je nach Applikationsform wird das Konzentrat wie folgt verdünnt:

  • Spritzeninfusionspumpe: Zu 4 ml des Präparats (1 mg/ml) werden 46 ml einer 5-prozentigen Dextrose-Lösung gegeben;
  • Tropfflasche: Zu 40 ml des Präparats (1 mg/ml) werden 460 ml einer 5-prozentigen Dextrose-Lösung hinzugefügt.

Bei beiden Applikationsformen muss die resultierende Konzentration der Lösung für die intravenöse Gabe 80 mg/l betragen (entspricht 40 µg/ml Noradrenalin). Das Mischen von Noradrenalin mit anderen Arzneimitteln ist nicht gestattet.

Die empfohlene Anfangsdosis sowie die Infusionsrate betragen 0,1–0,3 mg/kg pro Minute. Die Infusionsgeschwindigkeit wird schrittweise durch Titration auf 0,05–0,1 mg/kg pro Minute erhöht; dies erfolgt unter ständiger Blutdruckmessung bis zur progressiven Erreichung des gewünschten Zielwerts für die Normotonie. Für die Einstellung und Aufrechterhaltung der Normotonie können die Dosierungen je nach Patientin individuell angepasst werden. Als Therapieziel gilt die Einstellung des systolischen Blutdrucks auf den unteren Normalbereich (100 bis 120 mm Hg) oder die Sicherstellung eines ausreichenden mittleren arteriellen Drucks (65–80 mm Hg, ggf. höher je nach Zustand der Patientin).

Vor Beginn oder während der Behandlung ist eine Korrektur von Hypoxie, Hypovolämie, Hyperkapnie und Azidose erforderlich.

Das Präparat muss stets in Kombination mit einer adäquaten Volumensubstitution (Flüssigkeitstherapie) verabreicht werden.

Um das Auftreten einer Hypertonie zu vermeiden, müssen Dauer, Infusionsrate und Dosierung des Noradrenalins unter Berücksichtigung der Herzfrequenzkontrollen und unter obligatorischer ärztlicher Überwachung des arteriellen Blutdrucks festgelegt werden (alle 2 Minuten bis zur Erreichung der Normotonie; danach alle 5 Minuten während der gesamten Infusion).

Die Therapie muss schrittweise reduziert werden, da ein abruptes Absetzen des Präparats zu einem plötzlichen Blutdruckabfall führen kann.

Die Behandlungsdauer kann einige Stunden bis maximal sechs Tage betragen.

Aufgrund der Nekrosegefahr ist eine intramuskuläre oder subkutane Verabreichung von Noradrenalin kontraindiziert.

Nebenwirkungen:

  • Zentralnervensystem: Schlaflosigkeit, Angstzustände, Kopfschmerzen, psychotische Zustände, Zefalgie (Schmerz im Kopf), Tremor, Schwäche, verminderte Aufmerksamkeit, Verwirrtheit des Bewusstseins, Erbrechen, Übelkeit, Anorexie.
  • Kardiovaskuläres System: Gewebshypoxie und arterielle Hypertonie, ischämische Störungen (verbunden mit starker Vasokonstriktion, die zu Temperaturrückgang und Blässe von Haut sowie Extremitäten führt), Tachykardie, Bradykardie, Palpitationen; Arrhythmien; eine akute Herzinsuffizienz kann durch den beta-adrenergen Effekt auf das Herz (chronotrop und inotrop) ausgelöst werden.
  • Sympathisches System: Hemmung des Urinierens.
  • Atemwege: Schmerzen im Mediastinum und am Brustbein, Dyspnoe, respiratorische Insuffizienz sowie Atembehinderung;
  • Immunsystem: Atembehinderung und allergische Reaktionen (bei Vorliegen einer Hypersensibilität gegenüber Bestandteilen des Präparats).
  • Sehorgan: Akutes Glaukom (bei Patientinnen mit anatomischer Veranlagung – durch Verschluss des Kammerwinkels der Vorderkamera);
  • Lokale Reaktionen: Reiz an der Einstichstelle oder Entwicklung einer Nekrose.

Bei schneller Gabe von Noradrenalin können folgende Symptome beobachtet werden: Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Tachykardie sowie Abkühlung der Extremitäten.

Eine langwierige Gabe des Präparats zur Aufrechterhaltung des arteriellen Blutdrucks bei fehlender Volumenrestitution kann die Entwicklung folgender Nebenwirkungen bewirken: schwere viszeralen und peripheren Angiospasmen, Gewbehypoxie, Senkung der renalen Durchblutung, Verminderung der Urinproduktion sowie Erhöhung des Laktatspiegels im Serum.

Bei Vorhandensein einer Hypersensibilität gegenüber Komponenten des Präparats während der Therapie in üblichen oder hohen Dosen können dyspeptische Erscheinungen sowie eine ausgeprägte arterielle Blutdruckerhöhung beobachtet werden, die von Lichtscheu, Kopfschmerzen, Hautblässe, stechender Retrosternalgie sowie Erbrechen und vermehrter Schweißabsonderung begleitet ist.

Besondere Hinweise

Die gleichzeitige Anwendung von Noradrenalin mit Monoaminoxidasehemmern vom Triptylin- oder Imipramin-Typ wird aufgrund des Risikos einer ausgeprägten und anhaltenden Blutdruckerhöhung nicht empfohlen.

Ältere Patientinnen können gegenüber der Wirkung des Präparats besonders sensibel sein; daher ist zur Vermeidung einer Hypertonie während der Infusion notwendig, die Flussrate und den arteriellen Blutdruck häufig (alle 2 Minuten) zu prüfen.

Bei langwieriger Anwendung von Noradrenalin kann eine Senkung des Plasmavolumens eintreten; in diesem Fall muss vor dem Absetzen des Präparats eine Korrektur zur Vermeidung einer wiederkehrenden Hypotonie durchgeführt werden.

Sollten während der Infusion Herzrhythmusstörungen auftreten, ist es erforderlich, die Dosis zu verringern.

Bei der Anwendung von Noradrenalin bei Patientinnen mit Diabetes mellitus und Hyperthyreose ist besondere Vorsicht geboten.

Zur Senkung des Risikos für extravasale Infiltration und nachfolgende Nekrose der Gewebe während der Infusion muss ständig die Lage der Nadel in der Vene kontrolliert werden; die Infusionsstelle muss häufig auf das Entstehen einer Infiltration (freier Strom) geprüft werden. Um ein Durchfließen des Präparates aus dem Behälter zu vermeiden, ist äußerste Vorsicht geboten: Aufgrund der Vasokonstriktion kann eine Vene mit erhöhter Durchlässigkeit für das Noradrenalin umgangen werden; die Infusionsstelle wird durch lokale Vasokonstriktion beeinträchtigt. Um diesen Effekt zu mildern, sollte die Infusionsstelle gewechselt werden.

Bei einem Durchfließen von Noradrenalin aus der Spritze oder dem Behälter vorbei an der Vene kann es zur Gewebeschädigung und nachfolgender Nekrose kommen (aufgrund der gefäßverengenden Wirkung des Präparates auf das umgebende Gewebe). Im Falle einer extravasalen Infiltration sollten 5–10 ml Fenaminsulfat in 10–15 ml physiologischer Kochsalzlösung injiziert werden, um die Vasokonstriktion lokal zu reversieren.

Nach der Herstellung ist eine Noradrenalin-Lösung innerhalb von 6 Stunden (bei Raumtemperatur) bzw. bis zu 24 Stunden (im Kühlschrank) zu verwenden; nach diesem Zeitraum muss sie entsorgt werden.

Arzneimittelinteraktionen

Bei gleichzeitiger Gabe von Noradrenalin in Kombination mit bestimmten Medikamenten können folgende Wirkungen auftreten:

  • Herzglykoside, Chinidin und trizyklische Antidepressiva erhöhen das Risiko für Arrhythmien.
  • Mittel zur allgemeinen Inhalationsanästhesie (Isofluran, Halothan, Chloroform, Enfluran, Metoxifluran, Cyclopropan): Erhöhung des Risikos für Kammerarrhythmien.
  • Alpha-Adrenergische Blocker (Labetalol, Doxazosin, Fentolamin, Fenoksibenzamin, Terazosin, Prazosin, Talazosin) sowie andere Präparate mit alpha-adrenerblockierender Wirkung (Loxapin, Haloperidol, Thioxantene, Phenothiazine): gegenseitige Abschwächung der gefäßverengenden Effekte.
  • Drucksenkende Mittel und Diuretika: Senkung des Effekts von Noradrenalin.
  • Maprotilin (trizyklische Antidepressiva): Verstärkung pressorischer sowie kardiovaskulärer Effekte und das Auftreten von Arrhythmien/Tachykardie.
  • Doksapram und Kokain: Gegenseitige Verstärkung des hypertensiven Effekts.
  • Beta-Adrenerge Blocker: Gegenseitige Abschwächung des Effekts.
  • Nitrate: Abschwächung der antianginösen Effekte.
  • Furasolidon, Monoaminoxidasehemmer (Selegilin, Prokarbazin): Verstärkung und Verlängerung pressorischer Effekte.
  • Schilddrüsenhormone: Erhöhung des Risikos für das Entstehen einer koronaren Insuffizienz im Rahmen der Angina pectoris.
  • Oxytocin oder Mutterkornalkaloide: Verstärkung vasopressorischer und gefäßverengender Effekte.

Haltbarkeitsdauer und Lagerungsbedingungen

An einem für Kinder unzugänglichen Ort und lichtgeschützt bei einer Temperatur von bis zu 25 °C lagern.

Haltbarkeit: 2 Jahre.

Ob Sie sollten Folgendes wissen:

Es gibt zahlreiche medizinische Syndrome. Ein Beispiel hierfür ist das Syndrom des pathologischen Sammelns (ein kleptomanieähnliches Verhalten). Bei einer Patientin, die an dieser Manie leidet, wurden im Magen 2500 fremde Gegenstände gefunden.


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