Menschen, die in ihrer Ernährung auf dem Prinzip des Konsums natürlicher Lebensmittel bestehen, werden als Naturopaten oder Naturisten bezeichnet. Einer der Begründer dieser Bewegung war Paul Bragg, der für die Aufnahme ausschließlich physikalischer (natürlicher) Lebensmittel in die Nahrung sorgte. Das Buch von Paul Bragg, »Das Wunder des Fastens«, wurde zur meistvertriebenen Bestseller-Literatur seiner Zeit. Paul Bragg lebte bis zu seinem 95. Lebensjahr und führte eine floride Lebensweise ohne langdauernde Erkrankungen. Täglich unternahm er Läufe oder lange Fußspaziergänge, spielte Tennis, tanzte und konnte sich sogar mit dem Surfen beschäftigen. Er war der Überzeugung, dass der Mensch das Leben verlängern kann, indem er eine vernünftige Lebensweise pflegt und sich insbesondere nach bestimmten Regeln ernährt. Sein Ernährungssystem basierte auf dem Prinzip des Fastens.
Solange der Mensch das Fasten nach Bragg nicht beachtet, sollte er an bestimmten Ernährungsregeln dennoch festhalten. Mindestens 60 % des gesamten Nahrungsvolumens sollten Früchte und Gemüse, vorzugsweise im Rohzustand, ausmachen. Es ist ratsam, Lebensmittel zu vermeiden, die einer chemisch-industriellen Verarbeitung unterzogen wurden. Die gesamte Ernährung sollte natürlichen Produkten vorgezogen werden und muss mindestens Salz sowie Zucker enthalten; beliebige synthetische Komponenten sollten vermieden werden.
Allerdings bestand Bragg nicht auf einer vollständigen Ausschließung dieser Lebensmittel; vielmehr sollte deren Umfang minimal sein.
In der Regel entsprechen propagierte Ernährungsformen den Empfehlungen eines beliebigen Ernährungsberaters. Doch gerade das Fasten nach Bragg bildete die Grundlage seiner Genesungsmethodik. Nach Ansicht von Bragg reinigt sich der Organismus während solcher Fastenzeiten täglich von allen durch Verdauungsprozesse entstehenden Zerfallsprodukten und Giftstoffen. Genau deshalb muss das Fasten wöchentlich durchgeführt werden; man sollte alle drei Monate für 7 bis 10 Tage hungern. Während eines solchen Fastens ändert der Organismus die Energieversorgung vollständig: Die körpereigenen Energiereserven werden anstelle der Nahrung ausgeschöpft. Jedoch läuft diese Umgestaltung des Organismus nicht bei allen identisch ab. Bei vielen Fällen, in denen sich Menschen schwer auf solches Regime einstellen können (was oft zu einer Krise führt), wird ihr Zustand erschrocken, und sie sind gezwungen, das Fasten abzubrechen.
Bragg betonte, dass der Erfolg des Fastens davon abhängt, ob die innere Einstellung des Menschen positiv ist und er das Verfahren als Methode zur Entfernung von Schlacken und Toxinen betrachtet. Nach seiner Auffassung führt diese Haltung dazu, dass jeder 'Käfig' des Organismus das Fasten mit Freude und unter Berücksichtigung seiner spezifischen Merkmale aufnimmt.
Die Vorbereitung auf das Fasten nach Bregg
Erste Fastenkandidaten sollten das Nahrungskarenz nicht länger als zehn Tage durchführen.
Um den Fastenprozess zu starten, ist ein vollständiges 24-Stunden-Nüchternhalten erforderlich; in dieser Phase darf ausschließlich destilliertes Wasser konsumiert werden. Zu Beginn des Verfahrens muss eine ärztliche Überwachung erfolgen.
Nach Ansicht von Brega sollte sich der Mensch vor einer Fastenkur von mehr als zehn Tagen sorgfältig vorbereiten. Ein Fasten über 21 oder 35 Tage kann für einen gesunden Menschen sogar tödlich sein. Daher ist bei solchen Fastenkuren nicht nur die ärztliche Überwachung, sondern auch eine Reihe spezieller Untersuchungen erforderlich. Im Wesentlichen muss die Nierenfunktion kontrolliert werden, da diese Organe für die Ausscheidung von Toxinen und Giften aus dem Körper verantwortlich sind. Wenn der Arzt im Verlauf der Untersuchung feststellt, dass die Belastung extrem hoch ist, muss das Fasten unterbrochen werden. Während des Fastens müssen zudem die subjektiven Empfindungen beachtet werden: Es ist physisch unmöglich, zu hungern und gleichzeitig sich zu 100 % wohlzufühlen; vielmehr sollte es nicht zur heftigen Verschlechterung des allgemeinen Zustands kommen.
Laut dem Buch von Brega "Das Wunder des Fastens" muss das langfristige Hungerfasten schrittweise erfolgen: Zuerst kann man ein 24-Stunden-Fasten durchführen, später ein 3- bis 4-tägiges Fasten einmal im Monat. Nach fünf bis sechs solchen Kursen kann man ohne Probleme auf wöchentliches Fasten übergehen und nach einem Jahr bis zwei Jahren die Dauer dieser Phase verlängern.
Fasten kann in jedem vorübergehenden Abschnitt durchgeführt werden: vom Abendessen bis zum nächsten Abendessen oder vom Frühstück bis zum nächsten Frühstück. Es ist lediglich das Trinken von destilliertem Wasser gestattet. Falls es unmöglich ist, die gesamte Zeit ohne Nahrung zu verbringen, wird eine kleine Nachsicht gewährt: Ein Drittel Kaffeelöffel Honig oder ein Löffel Zitronensaft (aus Schwefelsäure), aufgelöst im Wasser. Brega meinte, dass je größer der Durst und der Wasserkonsum sind, desto besser wird der Organismus von Toxinen befreit.
Auch ist es heute wichtig, sich ständig in einer positiven Stimmung zu befinden, wenn man das Wunder des Fastens nach Brega praktiziert. Er riet mehrmals dazu, bestimmte Wörter wiederholt zu sagen und den Fokus auf das Gute zu richten. Diese Phrasen finden Sie im Buch von Brega „Das Wunder des Fastens":
– In diesen Tagen habe ich meinen Körper in die Hände der Natur übergeben. Ich habe mich an die höchsten Kräfte gewandt, um eine mediale Reinigung und Erneuerung zu erreichen.
Mit jedem Minute des Fastens verfolge ich gefährliche Gifte aus meinem Körper. Mit jeder Stunde des Hungers werde ich glücklicher und fühle mich wohler.
Stunde für Stunde reinigt sich mein Organismus.
Die erste aufgenommene Nahrung sollte ein Salat aus frischem Gemüse sein, wie Kohl oder Möhre mit Zitronen- oder Apfelsinensaft. Dieser Salat stimuliert die Arbeit von Magen und Darm.
Danach können Sie das Gemüse (zum Beispiel Tomaten) zubereiten.
Erst später dürfen Sie ein wenig Fleisch, Milch, Käse oder Öl zu sich nehmen. Beachten Sie jedoch den Zusammenhang dieser Lebensmittel mit dem Fasten nicht mehr.
Ein beliebiges langanhaltendes Fasten muss unter Bedingungen vollen psychologischen Komforts und Ruhe durchgeführt werden. Man sollte auf die Durchsicht des Fernsehers, unnütze Gespräche sowie Effekte – also alles, was stört – verzichten, um sich auf das Wunder des Fastens zu konzentrieren. Nach Möglichkeit ist Einsamkeit in komfortablen Rahmenbedingungen wünschenswert. Körperliche Belastungen sowie Spaziergänge sollten vollständig ausgeschlossen werden. Dies gilt jedoch nur bei stabilem Wohlbefinden.
Es ist wichtig, sich selbst zu lauschen, gleichzeitig aber innere Ängste und Unsicherheiten abzubauen.
Ein durchdachtes Ende eines beliebigen langanhaltenden Fastens ist erforderlich. Bregg schlägt folgende Variante vor: Am siebten Tag des Fastens sollten 4 bis 5 mittlere Tomaten verzehrt werden, die zuvor in kochendem Wasser abgeschreckt oder ins siedende Wasser geworfen wurden. Die Tomaten müssen gereinigt und kalt gegessen werden.
Am achten Tag ist zum Frühstück ein Salat aus frischem Gemüse möglich: Möhren und Kohl mit dem Saft von einer halben Orange. Anschließend folgt etwas geschmortes Kraut zusammen mit Weizenbrot.
Zum Mittagessen wird derselbe Salat sowie zwei Gemüseschalen serviert: Man kann Kohl, Kürbis, Möhren und grüne Erbsen kochen.
Am neunten Tag wird zum Frühstück eine beliebige Frucht mit zwei Esslöffeln keimendem Getreide und Honig (bis zu einem Teelöffel) serviert. Das Mittagessen kann aus Salat mit gekochtem Gemüse bestehen; das Abendessen entspricht dem des siebenten Tages.
Ab dem zehnten Tag ist der Übergang zur gewöhnlichen vegetarischen Ernährung notwendig.
Man sollte bedenken, dass nach langanhaltendem Fasten eine Appetitlosigkeit auftreten kann. Dies ist kein Grund zur Sorge; mit der Zeit normalisiert sich die Situation von selbst.
Auch nach dem Fasten ist es wichtig, den Darmkanal korrekt zu aktivieren. Nach Brega ist es ratsam, Abführmittel oder Einläufe nicht anzuwenden. Bei einer ausgewogenen und richtigen Ernährung wird der Organismus diese Aufgabe selbstständig bewältigen.
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