Estragon

Estragon (Artemisia dracunculus) – eine mehrjährige Krautpflanze aus der Familie der Korbblütler, die bis zu 120–150 cm hoch wird. Die Stiele sind fein, kahl, stark verzweigt und gelblich-graubraun. Die Blätter sind lanzettlich, 2–8 cm lang und 2–10 mm breit; sie erscheinen grün, glänzend mit ganzen Rändern. Die Blüten sind klein, rund, 2–4 mm im Durchmesser und von gelber oder grünlichgelber Farbe. Die Blütezeit fällt in die zweite Sommerhälfte; als Frucht entsteht eine Samenbildung.

Frischer Estragon

Ursprünglich stammt diese Pflanze vermutlich aus Europa und wurde im 13. Jahrhundert durch den Einfall der Mongolen nach Europa eingeführt. Nach England gelangte der Estragon im 15. Jahrhundert und verbreitete sich von dort bis nach Amerika. In Asien und Europa wird der Estragon als medizinische und würzige Pflanze intensiv kultiviert. Die am weitesten verbreiteten Sorten sind der französische, russische und transkaukasische Estragon.

Chemisch besteht der Estragon (auch Beifuß-Estragon oder Tarchun) zu 0,25–1 % aus ätherischem Öl und enthält Harze, Kümmerstoffe, Geraniol, Iso-Kumarin, Ascorbinsäure, Flavonoide, Sterine, Kohlenwasserstoffe, Gerbstoffe sowie Eiweiß. Beim Verzehr wirkt die Pflanze allgemein kräftigend, verbessert den Appetit und fördert die Verdauung.

Die nützlichen Eigenschaften des Estragons

Der frische Estragon ist eine Quelle für Antioxidantien; wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass polyphenolische Verbindungen in diesem Kraut zur Senkung des Blutzuckerspiegels beitragen. Zu den nützlichen Eigenschaften des Estragons zählen die darin enthaltenen Phytonährstoffe, die für die Aufrechterhaltung der Immunabwehr notwendig sind.

Laborstudien am Estragonextrakt zeigen, dass bestimmte Inhaltsstoffe die Aktivierung von Blutplättchen hemmen und so deren Aggregation sowie Adhäsion an den Gefäßwänden verhindern. Dies schließt die Bildung von Klumpen in den kleinsten Blutgefäßen des Herzens und Gehirns aus und wirkt somit prophylaktisch gegen Herzinfarkt und Schlaganfall.

Das Kraut ist eine Quelle für Wachstumsvitamine, Vitamin B6 sowie Vitamine der Gruppe B wie Folsäure, Pyridoxin, Niacin und Riboflavin, die als Kofaktoren im Stoffwechsel fungieren.

Die nützlichen Eigenschaften des Estragons beruhen auf dem Gehalt an Mineralstoffen wie Kalzium, Mangan, Eisen, Magnesium, Kupfer, Kalium und Zink. Das Mangan wird vom Organismus als Kofaktor für das antioxidative Enzym Superoxiddismutase genutzt, während das Eisen für die innere Atmung (als Kofaktor des Cytochroms) sowie für die Bildung der Blutzellen notwendig ist.

Anwendung des Estragons

Für die Zubereitung von Arzneimitteln auf Basis von Estragon wird das oberirdische Pflanzenteil verwendet. Die medizinische Anwendung von Estragon ist bei der Behandlung von Zahnschmerzen, prämenstruellem Syndrom, Übelkeit, Harnwegsinfektionen, Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit sowie Meteorismus, Schluckbeschwerden, Dyspepsie und Anorexie wirksam.

Das ätherische Öl des Estragons wird in der Zahnheilkunde als lokales Antiseptikum und Analgetikum bei Zahnschmerzen eingesetzt.

Forschungsarbeiten der Brigham Young University in den USA haben gezeigt, dass die Anwendung von Estragon wirksam gegen Portioerosion und Hautkrebs ist.

In der nicht-traditionellen Medizin wird Estragon zur Behandlung der Wandverdickung (Induration) von Gefäßen sowie anderer vaskulärer Störungen eingesetzt.

In der verarbeitenden Industrie wird Estragon als Aromastoff bei der Herstellung von Seife und Kosmetika verwendet.

Die Anwendung von Estragon in der Kochkunst ist in Frankreich besonders verbreitet. Dort bildet die Pflanze eine Hauptkomponente der Sauce Béarnaise und geht den Großteil der Rezepte für die Zubereitung von Hühnerfleisch, Fisch und Eierspeisen aus. Frisch leicht zerkleinerte Estragonsblättchen werden dem Essig zugesetzt, um einen pikanten Estragonessig zu erhalten; zudem wird die Pflanze häufig zur Zubereitung von Salaten, Gewürzsauces und Marinaden verwendet.

In Ländern wie Aserbaidschan, Armenien, Georgien sowie Russland, der Ukraine und Kasachstan wird Estragon zum Aromatisieren des beliebten alkoholfreien Getränks Tarchun verwendet. Dieses Getränk hat einen erfrischenden Effekt und weist eine hellgrüne Farbe auf.

In Slowenien wird Estragon als Gewürz für die Zubereitung des traditionellen süßen Kuchens Potiza verwendet, während in Weißrussland Hühnersuppen damit gewürzt werden.

Aufgrund des Gehalts an Estragon ist der Tee ein wirksames Mittel zur Behandlung von Schlafstörungen.

Getrockneter Estragon

Kontraindikationen

Die Anwendung von Estragon in geringen Mengen in der Nahrung ist absolut sicher und verursacht bei gesunden Menschen keine Komplikationen. Jedoch kann die Langzeitanwendung von Estragon zur Entstehung von Tumoren führen, da darin das organische Substanz Methylchavicol enthalten ist.

Zusätzlich stellt eine Allergie gegen Pflanzen aus der Familie der Korbblütler (z. B. Chrysanthemen, Studentenblume, Gänseblümchen) eine Kontraindikation dar.

Bei Gallensteinen ist Estragon kontraindiziert, da die Pflanze einen choleretischen Effekt besitzt und den Abfluss von Konkrementen aus der Gallenblase fördert. Bei Vorhandensein großer Konkreme kann dies deren Verstopfung begünstigen, was starke Krämpfe und Schmerzen verursachen kann.

Schwangerschaft und Stillzeit stellen Kontraindikationen für Estragon dar, da das enthaltene Tujon den Milchverlust hervorrufen sowie die Schwangerschaft beenden kann.

Ob Das sollten Sie wissen:

Ein regelmäßiger Solarium-Besuch erhöht das Erkrankungsrisiko für Hautkrebs um 60 %.


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