Anatomisch ist das Sitzbein in der hinteren und unteren Abteilung des Hüftgelenks positioniert; es besteht aus dem Körper sowie den Ästen. Der vom Körper abgehende Ast weist eine Verdickung auf – den Sitzbeinhöcker –, während der untere Bereich an den unteren Ast des Schambeins grenzt. Starke Muskelverkürzungen infolge nicht angeordneter heftiger Bewegungen sowie Stürze auf den Sitzbeinhöcker können zu einem Sitzbeinbruch führen.
Bei den Stürzen auf das Sitzbeinhöcker handelt es sich um die häufigsten Formen der Sitzbeinbrüche, insbesondere um einseitige und zweiseitige vertikale Beckenfrakturen. Infolge starker Muskelverkürzungen entstehen zudem häufig Brüche des Sitzbeins sowie Risse an den Weichgeweben.
Sitzbeinbrüche stellen schwere Traumata des Stütz- und Bewegungssystems dar; ihre Häufigkeit beträgt etwa 10 % aller orthopädischen Verletzungen.
Die Prognose bei isolierten Sitzbeinbrüchen ist in der Regel günstig; das Komplikationsrisiko bleibt dabei minimal. Diese Verletzungen entstehen meist durch direkte Traumatisierung.
Geschlossene Sitzbeinfrakturen können sowohl einfach als auch komplex ausgeprägt sein. Wird lediglich ein Ast gebrochen, so handelt es sich häufig um eine Verletzung des vorderen Astes (sog. Schmetterlingsform).
Sitzbeinbrüche entstehen häufig durch Stürze auf das Gesäß oder als Folge einer Beckenverdrehung. Die Patienten klagen über Schmerzen im Bereich des Aufpralls, die sich bei Bewegung der unteren Extremitäten – insbesondere beim Beugen des Unterschenkels – verstärken.
Für eine adäquate Diagnostik sind eine korrekte Erfassung aller Details der Unfallanamnese (insbesondere der Körperhaltung beim Sturz) sowie eine klinische Untersuchung notwendig. Befinden sich Patienten infolge eines Schmerzschocks nicht im Bewusstsein, so entwickeln äußere Zeichen wie Hämatome an den Bruchstellen oft erst einige Stunden nach dem Trauma. Als Methode der objektiven Diagnostik dient die Röntgenaufklärung.
Die Behandlung von Sitzbeinbrüchen schließt zwingend eine schmerzstillende Therapie ein. Für den Patienten ist die Rückenlage in der sogenannten 'Frosch'-Position am komfortabelsten: Die Beine werden gebeugt, dabei drehen sich Kniegelenk und Hüfte nach außen; die Knie werden getrennt, während die Füße zusammengelegt werden. Zur Versorgung können spezialisierte orthopädische Betten oder gewöhnliche Betten mit speziellen Leisten verwendet werden; diese lagern den Patienten im Bereich der Oberschenkel sowie der Kniegelenke ab.
Der Hauptwert in der Behandlung liegt in der Beachtung der Bettruhe, deren Dauer mindestens vier Wochen betragen sollte. Nach Ablauf von sieben Wochen ist eine Wiederherstellung der Funktionen des betroffenen Gliedmaßes möglich. Eine Rehabilitation durch Physiotherapie und Heilsport wird weiterhin empfohlen.
Bei zahlreichen Sitzbeinbrüchen können verschiedene Komplikationen sowie Verletzungen der inneren Organe des Patienten entstehen – insbesondere der Harnblase und Harnröhre, des Darmtraktes sowie der inneren Geschlechtsorgane. Häufig treten dabei starke traumatische Blutungen auf. Solche Brüche entstehen häufig bei Autopsien, Gebäudeeinstürzen oder Erdbeben.
Zu den Folgen eines Sitzbeinbruchs zählen posttraumatische Infektionen bis hin zur Sepsis, verzögerte Knochenheilung sowie ein falsches Zusammenwachsen (Pseudarthrose).
Im Bereich des Bruchs können zudem Verletzungen von Gefäßen, Muskeln, Nerven und Sehnen sowie die Entwicklung einer Paresthesie infolge der traumatischen Kompression, Osteomyelitis und Arthritiden auftreten.
Bei schwersten Fällen können eine Verkürzung der Gliedmaßen, eine Atrophie und Hypotrophie der Gesäßmuskulatur sowie eine Versteifung (Ankylose) des Hüftgelenks entstehen.
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