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Erste Hilfe bei Vergiftungen

Unter Vergiftung versteht man eine systemische Infektion des Organismus infolge der Aufnahme giftiger Substanzen. Das Gift kann peroral, über die Atemwege oder durch die Haut in den Körper aufgenommen werden. Man unterscheidet folgende Formen von Vergiftungen:

  • Lebensmittelvergiftung;
  • Pilzvergiftungen (diese werden in einer eigenen Kategorie geführt, da sie sich von der üblichen Lebensmittelvergiftung unterscheiden);
  • Arzneimittelvergiftungen;
  • Vergiftungen durch Chemikalien (Säuren, Laugen, Haushaltsreiniger, Erdölprodukte);
  • Alkoholvergiftungen;
  • Vergiftungen durch Kohlenmonoxid, Rauch- und Ammoniak sowie weitere Substanzen

Bei Vergiftungen sind alle Körperfunktionen beeinträchtigt; vor allem das Nervensystem, das Verdauungs- und das Atmungssystem werden am stärksten betroffen. Die Folgen von Vergiftungen können sehr schwerwiegend sein: Bei schweren Fällen kann ein Funktionsversagen lebenswichtiger Organe zum Tod führen. Daher ist eine richtige und rechtzeitige Erste Hilfe entscheidend für das Überleben des Menschen.

Allgemeine Grundsätze der Erstversorgung bei Vergiftungen

Prinzipien der Erstversorgung:

  1. Unterbrechung des Kontakts mit dem giftigen Stoff;
  2. Schnelle Entfernung des Giftes aus dem Organismus;
  3. Unterstützung lebenswichtiger Körperfunktionen, insbesondere von Atmung und Herzschlag; ggf. Reanimationsmaßnahmen (Herzmassage, Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung) durchführen;
  4. Einholung ärztlicher Hilfe für dringende Fälle durch den Krankenwagen.

Es ist entscheidend, den Auslöser der Vergiftung genau zu ermitteln, um schnell und zielgerichtet handeln zu können.

Lebensmittelvergiftung

Eine Lebensmittelvergiftung betrifft im Alltag fast jeden Erwachsenen, der diesen Zustand nicht bereits selbst erlebt hat. Ursache einer Lebensmittelvergiftung ist meist das Eindringen minderwertiger Lebensmittel in den Organismus, häufig infolge bakterieller Kontamination.

Die Symptome einer Lebensmittelvergiftung entwickeln sich gewöhnlich innerhalb von 1 bis 2 Stunden nach dem Verzehr: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Kopfschmerzen. Bei schweren Verläufen sind Erbrechen und Durchfall intensiv und häufiger vorhanden; es tritt allgemeine Schwäche auf.

Die Erstversorgung bei einer Lebensmittelvergiftung umfasst folgende Maßnahmen:

  1. Führen Sie eine Magenspülung durch. Lassen Sie den Betroffenen mindestens einen Liter Wasser oder eine Kaliumpermanganat-Lösung trinken, wonach das Erbrechen durch Druck mit zwei Fingern auf die Zungenwurzel ausgelöst wird. Wiederholen Sie dies so oft, bis sich der Brechinhalt ausschließlich aus Flüssigkeit ohne Beimischungen zusammensetzt.
  2. Geben Sie dem Betroffenen ein Adsorbens. Am weitesten verbreitet und kostengünstig ist die Aktivkohle. Die Dosierung beträgt pro 10 kg Körpergewicht eine Tablette; bei einem Gewicht von 60 kg sollten daher sofort sechs Tabletten eingenommen werden. Neben der Aktivkohle kommen auch Polifepan, Lignin, Diosmitit, Sorbex, Enterosgel und Smecta infrage.
  3. Falls kein Durchfall auftritt – was selten vorkommt –, ist eine künstliche Darmentleerung erforderlich. Dies kann durch einen Einlauf oder die Einnahme eines Abführmittels erfolgen (dabei kommen Magnesia, Karlsbader Salz und Ähnliches infrage).
  4. Erwärmung des Betroffenen: Hüllen Sie ihn mit Decken, bieten Sie warmen Tee an und legen Sie ein Heizkissen auf die Beine.
  5. Ausgleich der Flüssigkeitsverluste durch reichliche Gabe von Getränken – leicht gesalzenem Wasser und starkem Tee.

Pilzvergiftung

Die Erstversorgung bei einer Pilzvergiftung unterscheidet sich von der Behandlung einer gewöhnlichen Lebensmittelvergiftung dadurch, dass der Betroffene zwingend ärztlich untersucht werden muss, selbst wenn die Symptome zunächst unbedeutend erscheinen. Dies liegt daran, dass das Pilzgift eine schwere Infektion des Nervensystems auslösen kann, die nicht sofort auftritt. Dennoch darf man nicht auf das Fortschreiten der Symptome warten, da dies dazu führen könnte, dass die Hilfe nicht rechtzeitig eintrifft.

Vergiftung durch medikamentöse Präparate

Bei einer Arzneimittelvergiftung muss unverzüglich ein Arzt hinzugezogen werden. Bis zum Eintreffen des Arztes ist es ratsam, den Betroffenen und die eingenommene Medikamentenmenge zu ermitteln. Die Symptome einer Arzneimittelvergiftung variieren je nach Wirkungsweise des jeweiligen Präparats: Es können Bewusstlosigkeit, Erbrechen, Schläfrigkeit, vermehrter Speichelfluss, Schüttelfrost, Blässe der Hautdecken sowie Krämpfe oder untypisches Verhalten auftreten.

Wenn der Betroffene wach ist, müssen bis zum Eintreffen des Arztes die gleichen Maßnahmen wie bei einer Lebensmittelvergiftung durchgeführt werden: Den bewusstlosen Patienten in eine stabile Seitenlage bringen, um ein Verschlucken von Erbrochenem zu verhindern; Puls und Atmung kontrollieren sowie im Falle ihrer Abschwächung mit Reanimationsmaßnahmen beginnen.

Vergiftungen durch Säuren und Laugen.

Konzentrierte Säuren und Laugen sind starke Gifte, die neben der toxischen Wirkung auch Verbrennungen an der Kontaktstelle verursachen. Da die Vergiftung beim Verschlucken von Säure oder Lauge auftritt, handelt es sich um Merkmale wie Verbrennungen im Mund- und Rachenraum sowie gelegentlich an den Lippen. Die Erstversorgung bei ähnlichen Substanzen umfasst eine Magenspülung mit klarem Wasser; trotz der verbreiteten Meinung, Säuren durch Laugen inaktivieren zu können, ist dies nicht notwendig. Es gilt, das Erbrechen ohne vorherige Spülung nicht herbeizuführen. Nach der Magenspülung kann dem Betroffenen Milch oder ein wenig Pflanzenöl verabreicht werden.

Vergiftungen durch flüchtige Substanzen.

Eine Vergiftung durch Einatmen giftiger Substanzen gilt als eine der schwersten Formen einer Intoxikation, da das Atemsystem direkt betroffen ist: Nicht nur die Atmung leidet, sondern auch die giftigen Substanzen gelangen schnell ins Blut und belasten den gesamten Organismus. Die Gefahr besteht hier doppelt – durch die Intoxikation zusätzlich zur Störung des Atemprozesses. Daher ist die wichtigste Maßnahme der Erstversorgung bei Vergiftungen durch flüchtige Substanzen die Versorgung des Betroffenen mit reiner Luft.

Bewusste Personen müssen an frische Luft gebracht werden, und straffende Kleidung sollte gelockert werden. Falls möglich, darf der Mund und die Kehle mit einer Lösung aus Soda (1 Teelöffel pro Glas Wasser) ausgespült werden. Fehlt das Bewusstsein, muss der Betroffene mit dem angehobenen Kopf liegen, um den Luftstrom zu gewährleisten. Der Puls und die Atmung sind zu prüfen; bei Störungen sind Reanimationsmaßnahmen bis zur Stabilisierung von Herz- und Atemfunktion oder bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes durchzuführen.

Fehler in der Erstversorgung bei Vergiftungen.

Einige Maßnahmen, die als Erste Hilfe bei Vergiftungen empfohlen werden, können statt den Zustand des Betroffenen zu erleichtern ihm zusätzlichen Schaden zufügen. Daher ist es notwendig, verbreitete Fehler zu kennen und sie nicht zu begehen.

Bei der Ersten Hilfe bei Vergiftungen dürfen folgende Maßnahmen nicht durchgeführt werden:

  1. Das Trinken von Sodawasser.
  2. Auslösen von Erbrechen bei Schwangeren, Bewusstlosen sowie im Falle von Krampfanfällen
  3. Eigenständige Gabe eines Gegengifts (z. B. Neutralisation der Säure durch Lauge)
  4. Verabreichung von Abführmitteln bei Vergiftungen mit Säuren, Laugen, Haushaltschemikalien sowie überarbeiteten Erdölen

Bei allen Formen von Vergiftungen den Rettungsdienst rufen, da in praktisch allen Fällen eine stationäre Aufnahme erforderlich ist; Ausnahmen bilden lediglich leichte Lebensmittelvergiftungen, die unter häuslichen Bedingungen behandelt werden können.

Ob Das sollten Sie wissen:

In Großbritannien gibt es ein Gesetz, wonach Chirurgen einem Patienten eine Operation verweigern können, wenn er raucht oder Übergewicht hat; der Mensch soll auch dann auf schädliche Gewohnheiten verzichten, ihm wird jedoch keine operative Intervention mehr auferlegt.


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