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Strichzeichnungen zum menschlichen Charakter

Wie bilden sich die Charakterzüge des Menschen? Der Charakter besteht aus jenen Zügen der Persönlichkeit, die einem konkreten Menschen eigen sind und seine Beziehung zu den äußeren sowie inneren Pflichten bestimmen. Die Persönlichkeitsqualitäten eines Menschen offenbaren sich buchstäblich in all seinen Handlungen: Ob bei Arbeit oder Erholung – jeder handelt auf seine eigene Art und wird dabei erschöpft. Manche suchen sich schwierigere Aufgaben, um an der Lösung Freude zu haben; andere bevorzugen den leichten Weg. Für diese Personen sind die Ergebnisse ihrer Tätigkeit gleichgültig. Die Tat ist beendet, die Arbeit erledigt.

So zeigt sich der Charakter eines Menschen im Umgang: Während die Reaktion mancher auf Bemerkungen stürmisch ist, bleibt sie bei anderen matt oder sachlich. Die Qualität des Reagierens hängt vom Temperament ab, wird jedoch nicht davon bestimmt.

Aus gesellschaftlicher Sicht bestimmen die Charakterzüge maßgeblich das Verhalten eines Menschen. Es handelt sich um den Menschen des Wortes und der Tat. Die charakterschwache Persönlichkeit leidet unter Unbestimmtheit, erfüllt keine Versprechen, hängt von Umständen ab und schwimmt mit dem Strom.

Die Charakterzüge lassen sich in folgende Kategorien einteilen:

  • Motivationsmerkmale – sie bestimmen das Ziel und leiten sowie unterstützen eine bestimmte Tätigkeit.
  • Instrumentale Merkmale – sie belegen die Art der Ausführung.

Wenn eine Aufgabe gestellt wird, zeigen gerade die Instrumentalmerkmale des Charakters, auf welche Weise der Effekt erzielt wird: zum Beispiel durch das Hochkrempeln der Ärmel. Dabei ist die Polung der Motivation entscheidend: positiv oder negativ. So wünscht der Mensch mit dem „starken Charakter" nicht, unangenehme Arbeit zu leisten, wohingegen ein charakterloser Mensch gerne tut, was nötig und notwendig hält. Als wichtiges Instrument in der Erscheinungsform des Charakters dient die Willensstärke – das Bewusstsein der Notwendigkeit. Die Bestimmung einer willenlosen Persönlichkeit beweist keineswegs immer Muskelschwäche; oft sind es vielmehr Menschen mit schwachem Willen, die sich dem „Anführer" unterwerfen und Aufgaben erfüllen, die mit körperlicher Kraft verbunden sind.

Die Hauptmerkmale des Charakters

Unabhängig davon, dass jede Persönlichkeit einzigartig ist, weisen die Menschen doch viele ähnliche Eigenschaften auf; zahlreiche Gruppen lassen sich einem bestimmten psychologischen Typ zuordnen. Versuche zur Charakterdiagnostik, deren Grundlage die Hauptmerkmale des Charakters bilden, wurden bereits im letzten Jahrhundert von Psychiatern unternommen. Der deutsche Experte Kremer untersuchte zunächst den Zusammenhang zwischen Morbidität und Körperbau. Anschließend entwickelte sein Schüler, der amerikanische Psychiater Scheddon, diese Lehre weiter. Ende des letzten Jahrhunderts entwickelten folgende Gelehrte die Typologie der Charaktere: Fromm, Leonhard und Litschko.

Die genannten Forscher stammten aus den allgemeinen Lebenslagen, deren Wesen im Folgenden zusammengefasst wird:

  • Die Grundzüge der Persönlichkeit werden bereits vor der Geburt festgelegt und manifestieren sich in den folgenden Jahren auf verschiedenen Stufen.
  • Alle Merkmale der Persönlichkeit unterliegen nicht dem Zufall, sondern folgen einer strengen Gesetzmäßigkeit.
  • Nach den Charakterzügen werden Menschen in Gruppen unterteilt, deren psychische Reaktionen auf einen und denselben Reiz ähnlich sind.

Je nach vorherrschenden Charakterzügen haben Psychiater alle Persönlichkeiten in vier Typen eingeteilt.

  • Introvertierte Menschen sind schüchtern, zurückhaltend in der Kommunikation, ernsthaft und gehemmt.
  • Extravertierte Menschen sind aufgeweckt, gesprächig und humorvoll.
  • Emotionale Stabilität äußert sich in einer ausgeglichenen Haltung; Betroffene zeigen gegenüber Misserfolgen sowie fremden oder eigenen Ereignissen eine fast gleichgültige Distanz. Diese Gleichgewichtung manifestiert sich gleichermaßen bei positiven wie negativen Lebensereignissen durch konstante Stabilität und Gelassenheit.
  • Emotionale Labilität bedeutet einen Zustand ständiger Anstrengung; Betroffene sind gegenüber beliebigen Unannehmlichkeiten – sei es im persönlichen Umfeld oder im weltweiten Kontext – beunruhigt und überempfindlich.

Der deutsche Psychiater Karl Leonhard war mit diesen Typologien nicht zufrieden und entwickelte alternative Kriterien, die der Psychopathologie zugrunde liegen. Die "Psychopathie" wird aus dem Gesichtspunkt des wissenschaftlichen Verständnisses nicht als psychische Störung betrachtet, sondern bezeichnet den Patienten, der negative Charakterzüge sowie pathologische Persönlichkeitsabweichungen aufweist. Durch die Untersuchung von Menschen verschiedener Berufe kam Karl Leonhard zu dem Schluss, dass es unzureichend ist, die Qualifikationen der Persönlichkeitsmerkmale zu bestimmen; vielmehr ist es entscheidend, die akzentuierten Charakterzüge zu identifizieren, die eine bestimmte Personalitätsform konstituieren.

Die Typen der Persönlichkeitsakzentuierung nach Leonhard:

  • Hypertimie: Der unverbesserliche Optimist handelt überzeugt von seinen Fähigkeiten und ignoriert Misserfolge.
  • Affektiv-labile Persönlichkeit: Ein Typus, der sowohl negative als auch positive Charakterzüge aufweist, die sich gegenseitig kompensieren.
  • Distimie: Der Pessimist erwartet Misserfolge in allen Bereichen der Tätigkeit.
  • Ängstlich: Ein Typus, der furchtsam, scheu und ergeben gegenüber den Schicksalsschlägen ist.
  • Emotiv: Ein mitfühlender, mitleidiger Typus, der die positiven Charakterzüge aufweist und die Umgebung in eigennützigen Zielen einsetzt.
  • Affektiv-exzitiert: Ein Zustand erhöhter emotionaler Erregung, sowohl in positiver als auch in negativer Beziehung.

Die aufgeführten Persönlichkeitstypen nach Leonhard weisen außerordentlich ausgeprägte angeborene Charakterzüge auf, während gleichzeitig sozial bedingte Akzentuierungen vorliegen:

  • Dominante Charaktereigenschaften des Menschen Demonstrativ: Prahlerei, Betrug und Eitelkeit. Bei Überschreitung der Erregbarkeitsschwelle bei demonstrativen Persönlichkeiten entwickelt sich eine Hysterie.
  • Steckenbleibend: ein verdächtiger, empfindlicher und eitelartiger Typus mit Neigung zur Paranoia.
  • Pedantisch: gewissenhaft, akribisch und hypochondrisch.
  • Aufbrausend: schwerfällig, impulsiv und pedantisch; in kritischen Situationen kann dies gefährlich werden.

Der einheimische Psychiater Litschko hat die Einordnung des Leongarda im Teenageralter auf zehn psychologische Typen erweitert und einen konformen Typ mit einem erhöhten 'städtischen Reflex' hinzugefügt. Solche Teenager wünschen sich nach ihrer Auffassung, wie alle anderen, die Besten zu sein.

Die psychiatrischen Klassifikationen erfassen alle Facetten des Charakters; daher werden sie erfolgreich in der Psychologie und Pädagogik angewendet. Der Erzieher soll die emotionalen Reaktionen der Schüler vorhersagen können.

Ob Dass Sie das wissen:

Es gibt sehr neugierige medizinische Syndrome; so zum Beispiel die Zwangsstörung mit dem aufdringlichen Sammeln von Gegenständen. Im Magen einer Patientin, die an dieser Manie leidet, wurden 2500 fremde Gegenstände entdeckt.


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