Benzylpenicillin

Benzylpenicillin-Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung Benzylpenicillin – das antibakterielle Wirkstoff der Penicilline.

Darreichungsform und Inhalt

Benzylpenicillin wird als Pulver zur Herstellung von Injektionslösungen (in 10-ml-Fläschchen) geliefert.

Ein Fläschchen enthält das Natriumsalz des Benzylpenicillins in einer Dosierung von 500.000 bzw. 1.000.000 IE.

Anwendungshinweise

  • Schwere generalisierte Infektionen (z. B. Meningitis, Sepsis, disseminierte Gonokokkeninfektion)
  • Atemwegsinfektionen (Pneumonie) sowie Hautentzündungen
  • Frühschwangerschaft
  • Streptokokkenendokarditis
  • Tetanie
  • Abszesse
  • Lymphadenitis und Lymphangitis
  • Milzbrand
  • Osteomyelitis
  • Emphysematöse Gangrän

Kontraindikationen

Die Anwendung von Benzylpenicillin ist bei Penicillin-Allergie kontraindiziert.

Das Präparat sollte bei Schwangeren und Stillenden unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden.

Anwendungsform und Dosierung

Die Dosierung von Benzylpenicillin orientiert sich am Infektionstyp und an der Schwere des Krankheitsbildes.

Empfohlene Dosierungen:

  • Bei Erwachsenen: 1,8–3,6 g (3–6 Mio. IE) pro Tag, verteilt auf 4–6 Applikationen. Bei schweren Infektionen (Sepsis, Meningitis) wird die Dosierung gewichtsabhängig berechnet – bis zu 200–300 mg/kg (330–500 Tsd. IE/kg) pro Tag. In diesem Fall sollte die Therapie mit einer langsamen intravenösen Injektion oder einer schnellen Infusion begonnen werden; als Verdünnungsmittel wird 5 %ige Glucose verwendet.
  • Bei Kindern: 30–90 mg/kg (50–150 Tsd. IE/kg) pro Tag in 4–6 Applikationen. Bei schweren Infektionen kann die Dosierung bis zu 300 mg/kg (500 Tsd. IE/kg) erhöht werden.

Benzylpenicillin kann auch intramuskulär verabreicht werden. Das Präparat ist unmittelbar vor der Anwendung zu verdünnen, da seine Aktivität in Infusionslösungen rasch abnimmt. Die Therapiedauer richtet sich nach dem klinischen Bild und den Befunden.

Die empfohlenen Dosierungen bei isolierten Erkrankungen:

  • Sepsis und Meningitis durch Meningokokken: mindestens 5 Tage lang als langsam intravenöse Injektion oder Infusion mit 180–240 mg/kg (300–400 Tsd. IE/kg) pro Tag in 4–6 Applikationen;
  • Sepsis und Meningitis durch Pneumokokken: mindestens 10 Tage lang als langsam intravenöse Injektion oder Infusion mit 240–300 mg/kg (400–500 Tsd. IE/kg) pro Tag in 4–6 Applikationen;
  • Infektionen, die durch Clostridien verursacht werden: Über 7 Tage als Supplementierung zur Antitoxintherapie mit 9.000–12.000 mg (15–20 Mio. IE) pro Tag bei Erwachsenen und 180 mg/kg (300 Tsd. IE/kg) bei Kindern;
  • Streptokokken-Endokarditis: Über 14 bis 28 Tage mit 6.000–12.000 mg (10–20 Mio. IE) pro Tag bei Erwachsenen und 180 mg/kg (300 Tsd. IE/kg) bei Kindern.
  • Die Behandlung der Herpes-simplex-Infektion erfolgt in zwei Phasen: intramuskulär oder intravenös über 14 Tage mit einer Dosierung von 30 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich (entspricht 50.000 Einheiten pro Kilogramm).

Nebenwirkungen

Bei der Anwendung von Benzylpenicillin können allergische Reaktionen auftreten, wie folgt dargestellt:

  • Interstitielle Nephritis, Enanthem, angioneurotisches Ödem, Nesselsucht, Hyperthermie, Exanthem sowie Bronchospasmus (häufig).
  • Anaphylaktischer Schock (selten).

Zu Beginn der Therapie (insbesondere bei Lues) kann Benzylpenicillin Fieber, Schüttelfrost, eine Verschlechterung des Krankheitsverlaufs, vermehrte Schwitzneigung sowie die Jarisch-Herxheimer-Reaktion auslösen.

Als lokale Nebenwirkungen sind vor allem Krämpfe und eine Infiltration an der Einstichstelle bei intramuskulärer Applikation zu erwarten.

Bei Langzeittherapie mit Benzylpenicillin können Dysbiose sowie die Entstehung einer Superinfektion auftreten.

Besondere Hinweise

Sollte innerhalb von 2 bis 3 Tagen (maximal 5 Tage nach Therapiebeginn) keine Besserung eintreten, ist ein Wechsel zu anderen Antibiotika oder auf eine Kombinationstherapie erforderlich.

Aufgrund des Risikos einer Pilzinfektion während der Therapie mit dem Präparat ist es notwendig, dass der Arzt antimykotische Medikamente verschreibt.

Um das Auftreten resistenter Erregerstämme zu vermeiden, ist es erforderlich, die Anwendung unzureichender Dosen oder eine vorzeitige Absetzung der Behandlung zu unterlassen.

Die Analoga

Nach dem Wirkmechanismus sind die Benzylpenicillin-Analoga: Benzathinbenzylpenicillin, Benzilizin-1 (-3,-5), Bizillin-1 (-3,-5), Moldamin, Ospen 750, Retarpen sowie alte Schaumformen und Phenoxymethylpenicillin.

Lagerfristen und Lagerbedingungen

Das Präparat wird auf ärztliche Verordnung abgegeben. Die Haltbarkeitsdauer beträgt vier Jahre bei einer Temperatur von bis zu 30 °C. Die Lagerzeit der aus dem Pulver hergestellten Lösung für Injektionen beträgt 24 Stunden (im Kühlschrank 72 Stunden), die der Lösung für Infusionen 12 Stunden (im Kühlschrank 24 Stunden).

Ob Das sollten Sie wissen:

In Großbritannien gibt es ein Gesetz, wonach ein Chirurg einem Patienten eine Operation verweigern kann, wenn dieser raucht oder Übergewicht hat. Dem Menschen wird geraten, schädliche Gewohnheiten aufzugeben; ihm wird die operative Intervention jedoch nicht zwingend auferlegt.


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