Gliose

Die Gliose ist ein Prozess der Substitution deformierter oder infolge verschiedener Beschädigungen verloren gegangener Strukturen des Zentralnervensystems durch Gliazellen.

Gliose – Mechanismus zur Ersatzung zerstörter Neurone durch Gliazellen Nach Lokalisation und Charakter des Wucherns der Glia gliedert man die Gliosen in folgende Spezies:

  • Anisomorph: Die wuchernden Gliafasern liegen chaotisch.
  • Faserig: Die Gliafasern sind stärker ausgeprägt als die Zellelemente der Glia.
  • Diffus: Große Bereiche des Gehirns und des Rückenmarks sind betroffen.
  • Isomorph: Die wuchernden Gliafasern liegen relativ geordnet.
  • Marginal: Die Gliafasern wuchern vorzugsweise in den subkortikalen Bereichen des Gehirns.
  • Perivaskulär: Die Gliafasern befinden sich ringsum um sklerosierte oder entzündete Gefäße.
  • Subependymal: Die Gliafasern bilden sich in den unter dem Ependym gelegenen Bereichen des Gehirns.

Der spezifische Mechanismus der Gliose, die nach der Substitution zerstörter Strukturen im Nervengewebe entsteht, entwickelt sich infolge der Schädigung seiner strukturellen Einheiten – der Neuronen. Diese werden durch wuchernde Glia-Käfige ersetzt, welche die Herde der Beschädigung isolieren und das unversehrte Gewebe schützen. Die Gliose kann man vergleichsweise mit einer Narbe oder einem Verbund im Gewebe des Zentralnervensystems betrachten.

Zellarten der Gliakäfige, aus denen das Zentralnervensystem besteht:

  • Neuronen: Die Hauptzellen, die Erregungen generieren und Impulse weitergeben;
  • Das Ependym: Die Hüllen, die den zentralen Kanal des Rückenmarks sowie die Hirnventrikel auskleiden.
  • Neuroglia (Glia): Die Hilfszellen des Nervengewebes, die bis zu 40–50 % des Volumens des Zentralnervensystems einnehmen. In den Nervengeweben sind Gliazellen zahlenmäßig häufiger als Neuronen, im Verhältnis von 10 bis 50 Mal. Ihre Funktion besteht im Schutz und der Regeneration des Nervengewebes nach Infektionen sowie in der Unterstützung der Stoffwechselprozesse im ZNS.

Gliose: Das Wachstum der Gliazellen erfolgt durch die Bildung einer Herde an der Verletzungsstelle. Die Größe der Gliose wird quantitativ als Verhältnis der vergrößerten Glia-Käfige zu den übrigen Gewebekäfigen pro Volumeneinheit berechnet. Als qualitativer Indikator dient ihre Ausdehnung, die proportional zum Umfang der Heilung von Schäden im Organismus ist.

Gliose-Herde

Gliose-Herde: Das pathologische Wachstum von Gliazellen, das zerstörte Neurone ersetzt.

Das Entstehen einer Glioseherde stellt die Untersuchung dieser pathologischen Prozesse und Erkrankungen dar.

  • Multiple Sklerose
  • Syndrom von Pringle-Bourneville
  • Entzündungen unterschiedlicher Ätiologie
  • Epilepsien
  • Hypoxie
  • Stammschädigungen
  • Chronische Hypertonie
  • Hypertensive Enzephalopathie

Zur Aufspürung der Gliome ist eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich; anhand ihrer Ergebnisse können nicht nur Lage und Ausmaß der Tumore bestimmt, sondern in einigen Fällen auch Hinweise auf das Alter des Tumors gewonnen werden. Dies ermöglicht dem Neurologen unter Berücksichtigung weiterer Forschungsergebnisse und klinischer Befunde zu klären, ob es sich bei dem vorliegenden Tumor um einen aktiven oder alten Prozess im ZNS handelt.

Gliome können klinisch stumm sein und werden zufällig bei Untersuchungen im Rahmen anderer Diagnosen entdeckt. Es ist wichtig zu wissen, dass ein MRT-Befund mit dem Hinweis "Gliomverdacht" keine Diagnose stellt, sondern lediglich Anlass für eine umfassende medizinische Abklärung durch einen Neurologen bietet. Bei einem solchen Befund muss nicht der Tumor selbst behandelt werden, sondern die zugrundeliegende Erkrankung, die zu seiner Entstehung geführt hat.

Zerebrale Gliose

Zerebrale Gangliosidose – eine seltene Erbkrankheit des Fettstoffwechsels, die zu einer Degeneration des Zentralnervensystems führt. Sie entsteht durch Mutationen im Gen für das Enzym Hexosaminidase A, das am Gangliosid-Stoffwechsel beteiligt ist. Die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv; das Risiko liegt bei 25 %, wenn beide Elternteile Träger des mutierten Gens sind.

Die häufigste erbliche Gangliosidose erfordert eine genetische Beratung vor der Schwangerschaft, insbesondere bei nahen Verwandten. Das Kind entwickelt sich in den ersten Monaten normal; zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat treten jedoch ein Rückgang der körperlichen und geistigen Entwicklung sowie Hör- und Sehverlust, Schluckstörungen, Krampfanfälle, Muskelatrophie und Lähmung auf. Die maximale Lebensdauer beträgt 2 bis 4 Jahre.

Therapie der zerebralen Gliose

Es ist wichtig zu wissen, dass eine zerebrale Gliose nicht direkt behandelt werden kann, da sie keine eigenständige Erkrankung, sondern das Ergebnis verschiedener pathologischer Prozesse darstellt; behandelt wird stattdessen die zugrundeliegende Ursache, um neue Herde der Gliose zu verhindern.

Bei Vorhandensein von Gliose-Herden sind prophylaktische Maßnahmen zur Vermeidung ihres Wachstums erforderlich: vor allem sollte der Konsum fettreicher Nahrung vermieden werden, da Fette schädlich für das Gehirn sind. Eine übermäßige Fettzufuhr zerstört die Neuronen, die das Körpergewicht regulieren; bereits nach sieben Monaten einer fettreichen Ernährung nimmt deren Anzahl deutlich ab, während sich die Gliose-Herden an den Orten der abgestorbenen Neuronen ausbilden.

Mit MRT können Glioseherde bestimmt werden Bei erblichen Störungen des Fettstoffwechsels existiert keine spezifische Therapie für die zerebrale Gliose. Eine Diagnosestellung mittels Liquoranalyse ist erst ab der 18. bis 20. Schwangerschaftswoche möglich. Im Falle eines nachgewiesenen fetalen Krankheitsbefunds ist eine Unterbrechung der Schwangerschaft (Interruption) indiziert.

Das Wesentliche der Prophylaxe gegen zerebrale Gliose besteht in einem gesunden Lebensstil und regelmäßigen Kontrolluntersuchungen bei Fachärzten; eine direkte Behandlung oder Heilung der Gliose ist nicht möglich.

Ob Wissen Sie, dass:

Unser Gehirn verbraucht in Ruhe etwa so viel Energie wie eine 10-Watt-Glühbirne; daher ist die Verwendung einer solchen Lampe über dem Kopf beim Denken nicht weit von der Wahrheit entfernt.


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