Bei den meisten Hauterkrankungen kommt es zur Pyodermie, bei der sich auf der Hautoberfläche Abszesse bilden. Diese Häufigkeit lässt sich dadurch erklären, dass auch gesunde Menschen große Mengen krankheitserregender Mikroorganismen anhaften, die bei Schwächung des Immunsystems aktiv werden können.
Die Pyodermie ist eine saisonale Erkrankung; in einigen Regionen der Welt wird ihre Häufigkeit jedoch im gesamten Jahr beobachtet und sie übersteigt damit nur die Hautmykosen.
Am häufigsten betroffen sind Kinder, Personen mit niedrigem soziohygienischen Standard sowie Arbeiter in Unternehmen, deren Tätigkeit mit der Holzverarbeitung, landwirtschaftlichen Produktion, dem Bergbau sowie dem Transport von Passagieren und Fracht verbunden ist.
Auslösende Faktoren für die Entwicklung einer Pyodermie sind Überhitzung, Unterkühlung, hohe Luftfeuchtigkeit, Hautverunreinigungen, Erschöpfung, Stresszustände, Verletzungen der Hautdecken unterschiedlicher Schweregrade sowie Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts und des Stoffwechsels.
Bei der Pyodermie sind vor allem Schweiß- und Talgdrüsen sowie Haarfollikel betroffen. In schwereren Fällen kann die Infektion jedoch tiefer in das Gewebe übergehen, was zur Entwicklung einer Furunkulose (mit einem eiternden Abszess) oder eines Karbunkels (mit zwei oder mehreren Abszessen) führt.
Der Verlauf einer Pyodermie kann akut oder chronisch sein. Das Ausmaß und die Schwere des Krankheitsbildes hängen vom allgemeinen Zustand des Organismus, von der Tiefe des Entzündungsherds sowie vom Vorhandensein von Begleiterkrankungen ab.
Die Symptome der Pyodermie hängen von der Lokalisation des Prozesses, der Tiefe und dem Ausmaß der Infektion ab. In der Regel erscheint an der Stelle, wo die Entzündung beginnt, eine kleine Hyperämie; in deren Mittelpunkt ist ein gelber Punkt mit eitrigem Inhalt bemerkenswert. Es wird Schwäche und leichtes Jucken bemerkt. Der allgemeine Zustand leidet in der Regel nicht; die Körpertemperatur bleibt normal. Bei Kindern verläuft die Pyodermie oft schwerer, da das Kind unbewusst die Stellen berührt, wo sich Abszesse befinden, wodurch sich die Infektion auf den ganzen Körper ausbreitet.
Für die Umgebung der Pyodermie sind bei Personen, die sogenannte „Gemeinfinnen" entwickeln, vor allem bemerkenswert, wenn der entzündliche Prozess die Talgdrüsen erfasst. Im Anfangsstadium der Krankheit erscheinen auf der Haut schwarze Punkte – Komedonen –, an deren Stelle sich je nach Verlauf der Pyodermie Papeln bilden. Die eitrigen Bildungen können unterschiedlicher Tiefe und äußerer Ausmaße sein. Bei schweren Krankheitsfällen ist die Verschmelzung mehrerer Abszesse zu einem Entzündungsherd möglich. Nach der Genesung bleibt an der Infektionsstelle charakteristisch eine narbige Rötung zurück.
Betroffen sind tieferliegende Hautschichten und es entwickelt sich ein Furunkel; das Hyperämieareal nimmt zu. Im Mittelpunkt bildet sich eine Pustel. Bei ihrem Aufbruch – chirurgisch oder spontan – wird die Abszesswand eröffnet; nach deren Entfernung bleibt ein Geschwür zurück. Während der Eiterung werden Schwäche und lokale Temperaturerhöhung bemerkt. Bei dieser Form der Pyodermie können Furunkel einzeln oder plural auftreten. Nach der Heilung an der Infektionsstelle entwickelt sich eine Narbe.
Auch bei der Follikulitis treten großflächige Abszesse auf. Ungeachtet der starken Schwäche, die im Unterschied zum Furunkel vorliegt, fehlt der eitrig gefüllte Abszess.
Der allgemeine Zustand des Organismus verschlechtert sich bei der Entwicklung eines Carbunkels erheblich: Die Körpertemperatur steigt an, es treten Kopfschmerzen, Schwäche und weitere Zeichen einer Intoxikation auf. Der Patient vermeidet unnötige Bewegungen, da diese qualvollen Schmerz verursachen.
Beliebte Stellen für solche Pyodermie-Erscheinungen sind Nacken und Rücken; seltener tritt Eiterung auf Brust und Bauch auf. Für den Carbunkel ist das Vorhandensein mehrerer Abszesse charakteristisch; deren Entfernung führt zur Bildung eines umfangreichen, langdauernden Geschwüres. An der Infektionsstelle bildet sich ein dichter Knoten mit dunklerer Schattierung, umgeben von einem Ring aus eitrig-rot-bläulichen Gewebefasern. Der abgesonderte Eiter hat eine dicke Konsistenz und enthält Blutanteile. Die Genesung endet mit der Bildung einer groben Narbe.
Die Therapie der Pyodermie umfasst Maßnahmen zur inneren und äußeren Behandlung des Patienten.
Lokale Behandlung:
Die lokale Therapie zielt darauf ab, den rationalen Ablauf des Hautprozesses zu gewährleisten.
Zu diesem Zweck werden intakte Hautareale um den Eiterherd mit einer 0,1 %igen Kaliumpermanganatlösung oder einer 1–2 %igen alkoholischen Salicylsäurelösung behandelt.
An Stellen mit Abszessen kommen antiseptische Lösungen zum Einsatz, die das Erregerorganismus zerstören und die Heilung beschleunigen; bei der Pyodermie erfolgt dies durch Brillantgrün, Castellani-Flüssigkeit, Jodsalbe oder Vishnevski-Salbe. Eine ultraviolette Bestrahlung wirkt ebenfalls günstig, während die Anwendung einer alkoholischen Jodlösung unerwünscht ist, da sie den Entzündungsprozess verstärken kann.
Allgemeine Behandlung:
Bei chronischer Pyodermie, ausgedehnter Infektionsfläche oder bestehenden Komplikationen wird dem Patienten ein Antibiotikum-Kurs verordnet; die Einzeldosis, Applikationshäufigkeit, Gabeform und Kurzdauer werden ausschließlich vom Arzt festgelegt, eine Selbstmedikation ist unzulässig. Vor Beginn der Therapie muss der eitrige Erreger auf seine Antibiotika-Empfindlichkeit getestet werden.
Bei Unempfindlichkeit gegenüber Antibiotika kommen Sulfonamide zur Anwendung.
Als zusätzliche Therapiemaßnahmen werden nicht-spezifische Verfahren erfolgreich eingesetzt: Vitamintherapie, Autohämotherapie und die Gabe von Immunglobulinen.
Die Behandlung von Furunkeln und Karbunkeln erfolgt primär operativ durch Abszessinzision; anschließend wird dem Patienten eine entsprechende Therapie verordnet. Persistierende Narben können mit speziellen Cremes behandelt oder kosmetisch korrigiert werden.
Bei Kindern muss die Pyodermie-Behandlung bereits bei ersten Krankheitszeichen beginnen; Verzögerungen gefährden nicht nur die lokale Infektionsausbreitung, sondern auch das Eindringen in den Organismus und können schwere Komplikationen wie Sepsis, Osteomyelitis oder andere Erkrankungen nach sich ziehen.
Die prophylaktischen Maßnahmen bei der Pyodermie zielen auf die Beachtung von Sanitär- und Hygieneregeln sowie auf den Vermeidung von Mikrotraumen ab; zudem ist eine rechtzeitige antiseptische Behandlung von Hautrissen, Schrammen und anderen kleinen Wunden erforderlich.
Bei langdauernden Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts oder des Stoffwechsels ist eine termingemäße Behandlung zur Verhinderung von Rückfällen erforderlich.
Die Prophylaxe einer Pyodermie bei Kindern beruht auf der Beobachtung schwangerer Frauen in einer Frauenberatungsstelle. Zukünftigen Müttern wird empfohlen, die Immunität rechtzeitig zu stärken, Infektionsherde zu behandeln sowie das Regime von Arbeit und Erholung zu beachten.
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