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Dünndarm- und Dickdarmentzündung

Enterokolitis

Unter Enterokolitis versteht man eine Entzündung des gesamten Darmtrakts. Dieser Begriff setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: der Enteritis (Entzündung des Dünndarms) und der Kolitis (Entzündung des Dickdarms). Da der gesamte Darmkanal den betroffenen Organismus darstellt, kommt es in der Regel nicht zur isolierten Kolitis oder isolierten Enteritis; ein Prozess, der in einem Abschnitt beginnt, breitet sich auf andere Abschnitte unvermeidlich aus. In frühen Stadien der Erkrankung sind sowohl eine begrenzte Enteritis als auch eine begrenzte Kolitis möglich; jedoch hat dies für die Behandlung keinen großen Wert, da das therapeutische Vorgehen auf die Behandlung der gesamten Enterokolitis gerichtet ist.

Die Enterokolitis ist die häufigste Erkrankung des Gastrointestinaltrakts und tritt bei Kindern besonders oft auf. Wahrscheinlich gibt es kaum einen Menschen, der in seiner Lebenszeit nicht mindestens einmal Symptome einer akuten Enterokolitis erfahren hat. Im Volksmund wird dies als "Magenverstimmung" oder "Vergiftung durch unfrische Lebensmittel" bezeichnet.

Ursachen der Enterokolitis

Die Ursachen einer Enterokolitis sind vielfältig. Häufig handelt es sich um eine Infektion, die den Organismus durch minderwertige Lebensmittel, verschmutztes Geschirr, Hände oder Wasser erreicht. Bei Kindern treten bakterielle Enterokolitiden vor allem auf und entstehen aufgrund von Hygieneverstößen – etwa dem Verschlucken schmutziger Finger oder dem Verzehr nicht gewaschener Früchte – sowie durch Umwelteinflüsse (Masseninfektionen in Kindereinrichtungen infolge unzureichender Nahrungsvorbereitung).

Ursachen der Enterokolitis: Als Auslöser können beliebige Faktoren betrachtet werden, die die Funktion des Darmkanals beeinträchtigen. Dazu zählen mechanische Einflüsse (z. B. eine raffinierte Ernährung, die zu Verstopfungen und Stagnationen in der Darmschleimhaut führt) sowie toxische Einwirkungen (beispielsweise durch Medikamentenvergiftung).

Formen der Enterokolitis

Je nach Verlauf unterscheidet man eine akute von einer chronischen Enterokolitis.

Je nach Lokalisation unterscheidet man zwischen lokalisierten und generalisierten Formen.

Enteritis

Kolitis

Enterokolitis

Je nach Ätiologie unterscheidet man folgende Formen der Enterokolitis:

  • Infektiöse bakterielle Enterokolitis, hervorgerufen durch Darmseuchen: pathogene Stämme von Escherichia, Salmonella, Shigellen, Vibrio cholerae sowie Staphylokokken; bei Kindern im Neugeborenen- und Säuglingsalter treten diese Formen am häufigsten auf.
  • Infektiöse parasitäre Enterokolitis: Als Hauptursachen für parasitäre Enterokolitiden gelten die Erreger der Amöben-Dysenterie, Darmwürmer aller Spezies sowie Trichomonaden und Giardia.
  • Enterokolitis im Rahmen einer Dysbiose; eine der häufigsten Formen der Kolitis.
  • Toxische Enterokolitis: Diese Erkrankungsgruppe wird durch das Aufgreifen toxischer Substanzen auf die Schleimhaut des Darmtrakts hervorgerufen, darunter Medikamente, Gifte sowie Schadstoffe in minderwertigen Lebensmitteln.
  • Mechanische Enterokolitis: Diese Form wird in der Regel durch ein Trauma der Darmwand verursacht; sie entsteht häufig bei langdauernder Obstipation mit Stagnation und Verhärtung des Darminhalts.
  • Alimentäre Enterokolitiden, die durch ständige grobe Ernährungsfehler oder eine ungesicherte Ernährung entstehen.
  • Rezidivierende Enterokolitiden, die als Symptom einer anderen Haupterkrankung auftreten; beispielsweise eine Enterokolitis im Verlauf einer Cholezystitis infolge des Gallenstaus.

Symptome der Enterokolitis.

Symptome der akuten Enterokolitis: Durchfall, stechende Bauchschmerzen, Übelkeit sowie gelegentliches Erbrechen.

Der Stuhlgang kann bei einer Enteritis zweimal bis dreimal täglich auftreten, bei einer Kolitis hingegen bis zu zehnmal oder häufiger. Bei infektiösen Enterokolitiden gehen die Symptome einer Intoxikation dem Krankheitsbild voraus: Fieber (ab 38 °C), Schüttelfrost, Schwäche und Kopfschmerzen.

Die akute Enterokolitis bei Kindern kann durch eine ausgeprägte Verschlechterung des Allgemeinzustands bis hin zum Bewusstseinsverlust und Krampfanfällen begleitet sein, da bei Kindern die Dehydrierung rasch eintritt und die Intoxikation stärker ausfällt.

Bei der chronischen Enterokolitis treten ähnliche, jedoch weniger ausgeprägte und vielfältigere Symptome auf; auch hier steht primär der Stuhlstörung im Vordergrund, meist als Durchfall oder Wechsel von Diarrhöe mit Verstopfung (letztere seltener). Bauchschmerzen sind ebenfalls vorhanden, meist weniger heftig und verstärken sich vor der Defäkation.

Die Symptome einer chronischen Enterokolitis werden stets von Zeichen einer Dyspepsie begleitet: Übelkeit, Aufstoßen und Meteorismus infolge schwerwiegender Störungen der Verdauungsfunktion. Auch der Allgemeinzustand leidet; die Haut verfärbt sich ungesund blass-gräulich, Nägel werden brüchig und das Haar trüb. Es zeigen sich erhöhte Erschöpfbarkeit, Schwäche sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. In diesem Zustand ist der Patient aufgrund geschwächter Immunität anfälliger für verschiedene Infektionskrankheiten.

Diagnostik der Enterokolitis.

Instrumentelle Diagnostik der Enterokolitis Die Diagnostik der Enterokolitis ist in der Regel unkompliziert; sie dient vor allem dazu, die Ursache der Erkrankung zu klären sowie andere Ursachen für einen akuten Bauch auszuschließen, insbesondere bei einer scharfen Enterokolitis.

Die Diagnose stützt sich auf eine Symptomstudie (Anamnese), laborchemische Untersuchungen von Blut und Stuhl sowie instrumentelle Darmausschüttung.

Am informativsten sind die Koloskopie (endoskopische Untersuchung des Dickdarms zur Beurteilung einer Kolitis) sowie die radiologische Darstellung des Darmtrakts unter Verwendung von Kontrastmitteln.

Die Therapie der Enterokolitis.

Das Vorgehen bei der Therapie der akuten und chronischen Enterokolitis unterscheidet sich teilweise.

Die Behandlung der akuten Enterokolitis basiert vor allem auf der Schaffung von Ruhe für den betroffenen Darm sowie auf der Ausgleichung des Flüssigkeitsverlustes. Zu diesem Zweck wird eine Hungerration von mindestens zwei Tagen empfohlen, in denen dem Patienten reichlich ein nicht gesüßtes Getränk und süßer Tee angeboten werden. Nach Ablauf dieser Tage, bei Abnahme der Symptome der Enterokolitis, werden flüssige Reis- oder Haferbreis in die Ernährung eingeführt, gefolgt von Semmelbröseln aus Weißbrot. Neue Lebensmittel werden schrittweise hinzugefügt, wobei leicht verdauliche, mechanisch aufbereitete Nahrung bevorzugt wird. Zur Unterbrechung des Durchfalls können antidiarrhoische Mittel wie Imodium oder Smecta eingesetzt werden, jedoch ausschließlich nach ärztlicher Verordnung. In der Remissionsphase zielt die Behandlung der Enterokolitis auf die Wiederherstellung der normalen Darmflora ab, wofür Probiotika und Präbiotika verschrieben werden.

Die Therapie der infektiösen Enterokolitis erfordert den Einsatz von antibakteriellen oder antiparasitären Mitteln, die nach Identifizierung des Erregers verschrieben werden.

Die Behandlung der chronischen Enterokolitis besteht in der Beseitigung der zugrundeliegenden Ursache. Wird ein infektiöser Erreger identifiziert, erfolgt dessen Elimination; das Regime und die Ernährung werden normalisiert, und eine Diät wird zur Korrektur ernährungsbedingter Fehler verordnet. Da chronische Enterokolitis häufig durch andere primäre Erkrankungen verursacht wird, werden nach deren Therapie begleitende Maßnahmen eingeleitet. Bei der Behandlung der chronischen Enterokolitis ist es zudem essenziell, die Dysbiose therapeutisch zu adressieren, wofür Probiotika und Präbiotika eingesetzt werden.

Die Therapie der Enterokolitis bei Kindern erfordert eine stationäre Aufnahme, da die Erkrankung für das Kind lebensbedrohlich sein kann.

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